Letztes Update am Do, 25.10.2018 05:12

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bilfinger ordnet Geschäft in Österreich neu



Wien/Mannheim (APA) - Der deutsche Industriedienstleister Bilfinger ordnet sein Österreich-Geschäft neu. Die Töchter V und Chemserv fusionieren zu einer Industrieservice- und Projektgesellschaft „Bilfinger Industrial Services GmbH“ mit 2.000 Mitarbeitern und 300 Mio. Euro Jahresumsatz. Darin integriert sind auch gemeinsame Aufgaben für alle Bilfinger-Firmen in Österreich.

Dafür werden die Bilfinger Gerätetechnik, Bilfinger Maschinen- und Apparatebau sowie Bilfinger Personalmanagement zum Verkauf gestellt, sagte Gerald Pilotto, Leiter der Instandhaltungsaktivitäten von Bilfinger in elf Ländern, im Gespräch mit der APA. Als eigenständige Firmen behalten werden die Bilfinger Industrietechnik in Salzburg und die Bilfinger Bohr- und Rohrtechnik in Wien, sodass Bilfinger in Österreich künftig aus drei Firmen besteht, mit zusammen 3.500 Mitarbeitern, davon ein Drittel Leiharbeiter. Die Fusion wird Anfang 2019 wirksam.

Bilfinger konzentriere sich auf Industriedienstleistungen mit Instandhaltung, Weiterentwickeln in Form von Projekten und dem Betreiben von Anlagen. Dabei laufe die Instandhaltung auf gutem Niveau stabil, die Nachfrage nach Projekten werde größer. „Wir sind die größte Instandhaltungsfirma in Europa, jetzt geht es darum, die Projektkompetenz zu stärken“, so Pilotto. Deshalb wurde das Projektunternehmen VAM, das zum Verkauf stand, nun doch behalten.

Pilotto rechnet mit einem starken Wachstum, in drei bis maximal vier Jahren soll der Umsatz organisch (ohne Zukäufe) auf 380 Mio. Euro kräftig wachsen. Die größte Herausforderung dabei sei nicht „der Markt“, sondern die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern. Diese in Österreich zu finden, sei unrealistisch, es fehle an der Quantität und an der Qualität. Schon jetzt rekrutiere Bilfinger stark in Polen für ganz Europa. Auch aus Ex-Jugoslawien kommen viele Fachkräfte. Tschechien werde nach Lohnerhöhungen um zuletzt zehn Prozent in einem Jahr immer unattraktiver.

In Österreich, etwa im Ballungsraum Linz, sei die Nachfrage nach Fachkräften inzwischen so groß, dass gute Kandidaten immer Alternativangebote haben. Das gelte für Facharbeiter, Ingenieure, aber auch Controlling und Buchhaltung oder Personalentwickler. Dazu komme bei den Technikern die Frage der Mobilität und der Englischkenntnisse. Bilfinger bildet auch selber Leute aus, über die eigene Akademie bzw. gibt es in Österreich über 150 Lehrlinge. Sollte es genug geeignete Kandidaten geben, dann könnten es auch mehr Lehrlinge werden.

Der Arbeitstitel „Bilfinger Austria“ für das fusionierte Unternehmen sei verworfen worden, sagte Pilotto, da die Bilfinger Industrial Services auch im Ausland tätig sei. Abgesehen von einem Standort im bayrischen Burghausen würden Projekte in allen europäischen Ländern angeboten, teilweise auch im Nahen Osten. 70 Prozent der Projekte werden den Angaben zufolge außerhalb von Österreich sein.

Kernbranchen sind Öl/Gas, Chemie, Petrochemie, Pharma/Biopharma, Zementindustrie und Energie. Dafür hält sich Bilfinger von der Auto- und der Fertigungsindustrie fern, das sei „ein völlig anderes Geschäft“. Das Portfolio ist historisch gewachsen.

Mit der Fusion sollen im Verwaltungsbereich Synergieeffekte gehoben werden, eine Kündigungswelle werde es aber nicht brauchen, auch wenn die Erfahrung zeige, dass bei der Fusion zweier Firmen ein Drittel der Verwaltungskosten eingespart werden könne. Denn viele Mitarbeiter im Verwaltungsbereich seien bald im Pensionsalter. Im operativen Bereich hingegen „haben wir eher das andere Problem, wir werden eher zu wenig Personal haben“.

Bilfinger Industrial Services wird an einen neuen Standort in Linz ziehen, an dem die Chemserv seit einigen Monaten bereits beheimatet ist. Eine riesige Zentrale sollte man sich aber nicht vorstellen, denn physisch dort sitzen werden maximal 30 Leute, so Pilotto.

~ ISIN DE0005909006 WEB http://www.bilfinger.com/ ~ APA020 2018-10-25/05:01




Kommentieren