Letztes Update am Do, 25.10.2018 10:34

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Zeitumstellung ist Experten zufolge für Nutztiere kein Problem



Wien (APA) - Rinder, Schweine, Hühner und andere Nutztiere können die Zeitumstellung leicht im Rahmen ihrer natürlichen Anpassungsfähigkeit wegstecken. Das sagte der Wiener Tierhaltungsexperte Josef Troxler der APA auf Anfrage. Problematisch sei dagegen, dass teils zur vermeintlichen Leistungssteigerung ihre biologischen Aktivitätszeiten ignoriert und durch künstliche Beleuchtung durcheinandergebracht werden.

„Alle unsere landwirtschaftlichen Nutztiere haben angeborene und durch Hormone gesteuerte Biorhythmen, die sich zu Teil stark von jenem des Menschen unterscheiden“, erläuterte Troxler, emeritierter Professor am Institut für Tierhaltung und Tierschutz der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Am meisten ähnle der natürliche Tagesablauf des Schweins dem menschlichen: Es ist morgens aktiv, legt zu Mittag eine Schlafpause ein, regt sich abends wieder, und schlummert die ganze Nacht. Die Ruhe-Aktivitätsrhythmen werden von äußeren Zeitgebern moduliert, wie zum Beispiel dem Sonnenauf- und Untergang, sowie den Fütterungs- und Melkzeiten.

Rinder und Pferde haben tagsüber Ruhephasen. Sie haben dafür auch nachts, oft in der Zeit rund um Mitternacht, Aktivitätsphasen, wo sie im Stall Futter aufnehmen und im Freien weiden, wenn sie die Möglichkeit dazu haben, erklärte er. Hühner wiederum wären „klassisch lichtgesteuert“. Sie erwachen bei Sonnenaufgang, sind den ganzen Tag aktiv und suchen in der Dämmerung Sitzstangen auf oder „baumen“ auf Ästen auf, um die Nacht durchzuschlafen.

In der Tierhaltung würde auf die Ruhe-Aktivitätsrhythmen kaum Rücksicht genommen: Bis vor einiger Zeit war es in der Geflügelmast üblich, die Hühner rund um die Uhr Licht auszusetzen, um ihre Futteraufnahme zu erhöhen, weil sie dadurch schneller wuchsen. Nach der Tierhaltungsverordnung müssen sie zwar heute in Österreich mindestens sechs zusammenhängende Stunden Dunkelheit pro 24 Stunden genießen dürfen, aber auch dies sei weit von ihren natürlichen Bedürfnissen entfernt, meinte Troxler.

Auch bei Kühen würde versucht, durch Lichtphasen in der Nacht die Milchleistung zu erhöhen, und bei Sauen dem Biorhythmus widersprechend in der Nacht mit automatisierten Futterstationen gefüttert, weil es dann weniger Unruhe im Stall gäbe. Gegenüber diesen Problemen mit missachteten Tag- und Nachtaktivitäten bei Nutztieren und der Störung ihrer biologischen Rhythmen durch Management-Maßnahmen spielt diese eine Stunde Zeitumstellung zweimal im Jahr für die Tiere keine große Rolle, so der Experte.

Auch, dass sich Fütterungs- und Melkzeiten dadurch verschieben, hält er für unbedenklich. „Die Tiere sind zwar stark daran gewöhnt und vielleicht ein bis zwei Tage irritiert, stellen sich aber durch ihre Anpassungsfähigkeit schnell darauf ein“, meinte er. Kurzfristig würde ihnen genau so wie den Menschen eine kleine Umstellung abverlangt, dies wäre aber nicht mit einer großen Belastung verbunden.

„Die Melkzeiten sind ja auch im normalen Ablauf nicht völlig fix und schwanken etwas, je nach anderweitigen Verpflichtungen des Stallpersonals - also üblicherweise der Bauern“, sagte Johann Sölkner vom Institut für Nutztierwissenschaften der Universität für Bodenkultur Wien. Viele Betriebe in Österreich hätten aber schon auf Melkroboter (automatische Melksysteme) umgestellt. „Hier entscheidet die Kuh, wann und wie oft sie gemolken wird und es kann definitiv keinen Einfluss der Zeitumstellung geben“, erklärte er. Auch bei anderen Tieren, wo sich eventuell die Fütterungszeiten ändern, seien die zu erwartenden Einflüsse gering.




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