Letztes Update am Do, 25.10.2018 11:29

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Auftaktkonzert für 50-Jahr-Jubiläum Linzer Domorgel zog alle Register



Linz (APA) - Einer der bedeutendsten Orgelneubauten der letzten Jahrzehnte in Österreich wird heuer 50 Jahre alt. Die Rudigierorgel im Linzer Mariendom wurde am 8. Dezember 1968 geweiht und galt schon damals als ein Höhepunkt des Orgelbaues im 20. Jahrhundert. In einem festlichen Auftaktkonzert für das Jubiläum zogen die Organisten Mittwochabend alle Register.

Das Konzert bestritten Domorganist Wolfgang Kreuzhuber auf der Rudigierorgel und Gerhard Raab auf der Chororgel. Dazu kamen auch die Stimmen des Linzer Domchores und des Collegium Vocale Linz unter Domkapellmeister Josef Habringer. Hauptwerk des Abends war aus der Orgelliteratur die „Messe solennelle“ für gemischten Chor und zwei Orgeln op. 16 von Louis Vierne. Das 1900 uraufgeführte spätromantische einzige Chorwerk des französischen Komponisten ist ganz auf die Wirkung in großen Kirchen angelegt. Im abwechselnden Musizieren von Chor und Chororgel, dazwischen auch gemeinsam mit den Einwürfen der großen Orgel, entwickeln sich raumfüllende Klangfarben.

Das Hauptinteresse des Abends galt aber wohl der angekündigten Orgelimprovisation durch Wolfgang Kreuzhuber. „Ich weiß, was die Orgel will und die Orgel weiß, was ich will“ hatte der Domorganist im Vorfeld des Konzerts erklärt. In der freien Improvisation in Form einer Fantasie verstanden sich also Orgel und Organist bestens. Der erfahrene Improvisator brachte die große Farbigkeit der Rudigierorgel zum Blühen - im Wechsel von harmonischen besinnlichen Klängen über kraftvolle Akzente bis zum dröhnenden, geradezu apokalyptischen Klang-Inferno seines Finales.

Erste Überlegungen zum Bau einer großen Domorgel für den 1924 geweihten Linzer „Neuen Dom“, hatte es bereits in den 1950er-Jahren gegeben. Die nach Bischof Franz Joseph Rudigier (1811 - 1884) - der Erbauer des Linzer Domes - benannte Orgel wurde von der dänischen Orgelbauanstalt Marcussen gebaut. Obwohl man sich in Linz für die größte Kirche Österreichs auch die größte Orgel mit mindestens 150 Registern vorgestellt hatte, bestand Marcussen darauf, dass 70 Register ausreichten um den riesigen Kirchenraum mit Klang zu füllen. Die Register - darunter so spektakuläre wie die „Spanischen Trompeten“ oder der zarte „Zimbelstern“ - verteilen sich auf 5.890 Pfeifen und vier Manuale sowie Pedal. Trotz einer Gesamthöhe von mehr als 15 Metern erhielt die Orgel - abgesehen vom Pedal - ausschließlich eine mechanische Spiel- und Registertraktur.

Anlässlich des 50. Jahrestages der Orgelweihe der Linzer Rudigierorgel fand unlängst in Linz auch ein internationales Orgelsymposium statt. Dabei kam der Linzer Domorganist Wolfgang Kreuzuber zu dem Schluss, dass einige Grundsätze des Erbauers der Rudigierorgel bis heute zur Gänze, manche noch für den historisierenden Orgelbau und nur wenige gar nicht mehr gelten. Für Kreuzhuber stellt die Rudigierorgel im Linzer Dom den Typus einer „klassisch-modernen Orgel“ dar. „Sie ist eine moderne Orgel, die zum Klassiker geworden ist, weil alles darauf gespielt werden kann“, so Kreuzhuber.




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