Letztes Update am Do, 25.10.2018 11:46

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Schub für ein körpereigenes Anti-Aging-Molekül



Lausanne (APA/sda) - In dem Molekül NAD+ sehen einige Forscher den Schlüssel zu einer Anti-Aging-Pille. Ein Team der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Lausanne hat nun bei Versuchstieren eine Möglichkeit gefunden, die Menge dieses körpereigenen Moleküls zu regulieren.

NAD+ (Nicotinamidadenindinukleotid in oxidierten Form) als NAD+ abgekürzt) wirkt der Zellalterung entgegen und sorgt für ein gesundes Funktionieren der Energielieferanten des Organismus, der Mitochondrien. Nur nimmt der Spiegel dieses Moleküls mit dem Alter kontinuierlich ab. Laut früheren Studien lässt sich aber die Lebensspanne von Versuchstieren verlängern, wenn man ihren NAD+-Spiegel wiederherstellt.

Die Idee, damit auch Menschen zu einem längeren gesunden Leben zu verhelfen, geistert daher seit rund 20 Jahren durch die Forschungswelt. Wissenschafter machten sich auf die Suche nach Möglichkeiten, an den Stellschrauben der körpereigenen NAD+-Produktion zu drehen.

Eine solche Methode hat nun ein Team von Wissenschaftern um Johan Auwerx von der ETH Lausanne im Fachblatt „Nature“ vorgestellt: Gemeinsam mit internationalen Kollegen zeigten die Forscher, wie sich die NAD+-Menge im Tiermodell in Niere und Leber erhöhen lässt. Sie hemmen dazu ein Enzym, das die Produktion von NAD+ begrenzt.

Das Enzym namens ACMSD gehört zu einem von mehreren Wegen, auf denen NAD+ im Körper produziert wird, und kommt hauptsächlich in Leber und Niere vor. Sowohl in Versuchen mit Würmern als auch mit Mäusen führte das Blockieren des Enzyms zu höheren NAD+-Niveaus und besserer Mitochondrien-Funktion, wie die ETH Lausanne mitteilte.

In weiteren Versuchen zeigten die Wissenschafter, dass eine Hemmung von ACMSD durch zwei neu entwickelte Wirkstoffe den Zustand von Mäusen verbesserten, die als Tiermodell für altersbedingte Nieren- und Leberschäden beim Menschen dienten. Ihre Ergebnisse betrachten die Forscher als vielversprechend. Sie wollen die Wirkstoffe für die klinische Anwendung beim Menschen weiterentwickeln.

Die Datenlage zur Wirksamkeit und möglichen Nebenwirkungen einer NAD+-Verjüngungskur beim Menschen ist bisher sehr dünn. Ein Problem: Klinische Studien zu einer lebensverlängernden Wirkung einer NAD+-erhöhenden Therapie beim Menschen sind allein aufgrund der langen Zeiträume kaum machbar, wie Samir Parikh vom Beth Israel Deaconess Medical Center und der Harvard Medical School in Boston in einem Begleitkommentar zur Studie betonte.

Der Ansatz, sich auf gezielte Altersleiden wie Nierenschäden zu konzentrieren, könnte daher vielversprechend sein und eine Möglichkeit für klinische Studien auftun. Die für die Nature-Studie entwickelten Wirkstoffe und die damit erzielten Ergebnisse seien ein wertvoller Machbarkeitsbeweis.

(Fachartikelnummer - DOI (Studie): 10.1038/s41586-018-0645-6; DOI (Begleitkommentar): 10.1038/d41586-018-07088-4)




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