Letztes Update am Do, 25.10.2018 11:59

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Eine Atempause für die syrische Provinz Idlib



Istanbul/Idlib (APA/AFP) - Die Lage in Idlib bleibt instabil, doch bisher hat ein türkisch-russisches Abkommen eine Eskalation in der letzten syrischen Rebellenbastion verhindert. Die Türkei und der Westen haben großes Interesse daran, eine Offensive des Machthabers Bashar al-Assad auf die Provinz zu verhindern, da sonst eine neue Fluchtwelle droht.

Bisher scheint Russland gewillt, seinen Verbündeten Assad im Zaum zu halten. Bei einem Syrien-Gipfel mit der Türkei, Deutschland und Frankreich in Istanbul am Samstag dürfte Moskau dafür jedoch Bedingungen stellen.

WAS BESAGT DAS ABKOMMEN?

Die Vereinbarung, die am 17. September im südrussischen Sotschi von Russlands Präsident Wladimir Putin und dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan getroffen wurde, sieht die Schaffung einer entmilitarisierten Zone um Idlib vor. Den Rebellen wurde eine Frist bis zum 10. Oktober gesetzt, ihre schweren Waffen abzuziehen. Die Jihadisten mussten die 15 bis 20 Kilometer breite Pufferzone bis zum 15. Oktober verlassen.

Die Zone soll von türkischen Soldaten und russischen Militärpolizisten überwacht werden. Bis Jahresende soll überdies die Autobahn zwischen Homs und Aleppo sowie die Landstrafe zwischen Latakia und Homs passierbar sein. Mit der Vereinbarung wurde zunächst eine Offensive abgewendet. Assad hatte zuvor massenhaft Truppen um die von überwiegend islamistischen Rebellen und Jihadisten kontrollierten Gebiete zusammengezogen.

WIE LÄUFT DIE UMSETZUNG?

Auf Druck der Türkei zogen die von ihr unterstützten Rebellen ihre schweren Waffen rechtzeitig vor Ablauf der Frist aus der hufeisenförmigen Pufferzone ab. Allerdings kritisierten sie, dass ein Teil des Streifens unter Kontrolle russischer Militärpolizei stehen soll. Währenddessen verstärkte die türkische Armee die zwölf Beobachtungsposten, die sie um Idlib eingerichtet hat. Dort sind nun mehrere tausend Soldaten positioniert.

Die Al-Kaida-nahe Jihadistenallianz Hayat Tahrir al-Sham (HTS, Komitee zur Befreiung Großsyriens/Levante) kündigte aber an, den Kampf gegen die Assad-Truppen fortzusetzen. Auch nach Ablauf der Frist des 15. Oktober waren die Extremisten weiter in der Pufferzone präsent. Russland zeigte sich dennoch zufrieden mit der Umsetzung des Abkommens. Dies wurde als Zeichen interpretiert, dass Moskau der Türkei mehr Zeit geben will, um die HTS-Kämpfer zum Rückzug aus der Pufferzone zu bewegen.

WIE GEHT ES NUN WEITER?

Der syrische Machthaber Assad hat keinen Zweifel daran gelassen, dass er ganz Syrien wieder unter seine Kontrolle bringen will. Ohne die Unterstützung Russlands und des Iran wird er Idlib aber nicht zurückerobern können. Zudem stehen nun die türkischen Truppen um Idlib einer Offensive entgegen. Ein Angriff auf die Rebellenbastion erscheint daher vorerst unwahrscheinlich, doch dürfte die aktuelle Situation auf Dauer ebenfalls nicht haltbar sein.

Ein zentrales Problem bleiben die tausenden Jihadisten in Idlib. Alle beteiligten Staaten sind sich einig, dass die Extremisten ihre Waffen niederlegen müssen. Während ein Teil von HTS gewillt erscheint, sich der von der Türkei unterstützten gemäßigteren Nationalen Befreiungsfront anzuschließen, lehnen ein anderer Teil der Jihadistenallianz sowie andere Al-Kaida-nahe Gruppen jeden Kompromiss mit der Türkei und Russland ab.




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