Letztes Update am Do, 25.10.2018 13:45

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Magenschutz-Medikament auf der Intensivstation könnte nutzlos sein



Bern (APA/sda) - Patienten in kritischem Zustand bekommen auf der Intensivstation prophylaktisch ein Magenschutz-Medikament. Eine Studie mit Beteiligung des Inselspitals Bern zeigt, dass diese Behandlung wohl wenig nutzt.

Eine große Studie mit knapp 3.300 kritisch kranken Patienten zeigt, das eine gängige Prophylaxe gegen Magendarmblutungen auf der Intensivstation den Krankheitsverlauf wohl kaum beeinflusst. Davon berichtet ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung des Inselspitals Bern im „New England Journal of Medicine“.

Weil ein kritischer Gesundheitszustand zur Ausschüttung von Stresshormonen führt, was den Magendarmtrakt angreift, erhalten Betroffene auf der Intensivstation ein Medikament, um Magendarmblutungen vorzubeugen. Der Studie zufolge, in der eine Hälfte das Medikament, die andere ein Placebo erhielt, scheint diese Maßnahme jedoch kaum einen Nutzen zu bringen, wie das Inselspital am Donnerstag mitteilte.

Nach 90 Tagen gab es zwischen Medikament- und Placebogruppe keinen Unterschied bei der Anzahl der verstorbenen Intensivpatienten. Auch die Anzahl der Behandlungstage ohne notwendige Organunterstützung auf der Intensivstation sei vergleichbar gewesen, schrieb das Inselspital. Insofern konnten die Studienautoren keinen signifikanten Mehrwert der Behandlung mit dem Magenschutz-Medikament für die Gesamtheit der kritisch Kranken feststellen.

„Unsere neuen Daten zeigen, dass vermutlich nur wenige kritisch kranke Patientinnen und Patienten von der vorbeugenden Gabe eines solchen Magenschutzmedikamentes profitieren“, sagte Studienautor Joerg Schefold vom Inselspital gemäß der Mitteilung. Ob die routinemäßige Gabe eines Magenschutzmedikaments angezeigt sei, müsse daher kritisch hinterfragt werden, insbesondere, da es um lebensbedrohlich erkrankte Patienten gehe.

(S E R V I C E - Fachartikellink: http://go.apa.at/22pNv6RO)




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