Letztes Update am Do, 25.10.2018 20:51

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Jihadisten sollen wegen Verbrechen an Yezidinnen angeklagt werden



Paris (APA/AFP) - Die Internationale Vereinigung der Menschenrechtsligen (FIDH) mit Sitz in Paris fordert, die Strafverfolgung wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit auf Sexualdelikte gegen die Minderheit der Yeziden im Irak auszudehnen.

Zusammen mit der Organisation Kinyat präsentierte die Vereinigung am Donnerstag in Paris einen Bericht über Sexualverbrechen, die ausländische Dschihadisten gegen yezidische Frauen verübten.

Gestützt auf Zeugenaussagen von 16 überlebenden Yezidinnen heißt es in dem Bericht, unter den Tätern seien Franzosen, Deutsche, US-Bürger, Saudi-Araber, Libyer, Tunesier, Libanesen, Palästinenser, Jemeniten und Chinesen. Die Jihadisten hielten demnach seit 2014 mehr als 6800 Yezidinnen gefangen. Von ihnen konnten dem Bericht zufolge 4300 fliehen oder freigekauft werden, 2500 seien weiterhin „verschwunden“.

Der FIDH-Anwalt Patrick Baudouin sagte, die Verfolgung von Jihadisten als Terroristen sei in diesem Fall nicht ausreichend. Es sei notwendig, dafür den Straftatbestand Verbrechen gegen die Menschlichkeit anzuwenden. FIDH und Kinyat setzen sich dafür ein, die Fälle vor den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag zu bringen.

An der Vorstellung des Berichts nahm die irakische Yezidin Nadia Murad teil. Die 25-Jährige war im August 2014 von der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) ebenso wie tausende andere Frauen und Mädchen der Yeziden im Nordirak verschleppt und als Sexsklavin missbraucht worden, bevor sie entkommen und nach Deutschland fliehen konnte. Murad setzt sich heute als UN-Sonderbotschafterin für die Rechte der Opfer von Menschenhandel ein. 2016 erhielt sie den Sacharow-Preis des Europaparlaments und Anfang des Monats den Friedensnobelpreis.




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