Letztes Update am Fr, 26.10.2018 07:05

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Fernando Haddad - Die letzte Hoffnung der Linken in Brasilien



Sao Paulo (APA/AFP) - Auf Fernando Haddad ruhen die letzten Hoffnungen der Linken in Brasilien: Der Kandidat der Arbeiterpartei (PT) soll den Durchmarsch des Rechtspopulisten Jair Bolsonaro in der Stichwahl um das Präsidentenamt am Sonntag stoppen. Umfragen zufolge stehen die Chancen dafür allerdings schlecht. Haddad warnt, dass Brasilien mit der Wahl Bolsonaros der „Faschismus“ drohe. Um dies zu verhindern, distanziert sich der nüchterne Professor nun sogar von seinem politischen Ziehvater, dem inhaftierten Ex-Staatschef Luiz Inacio Lula da Silva.

Haddads Kandidatur stand von Beginn an unter einem unglücklichen Stern. Für seine Partei war er nur zweite Wahl: Nach der Verurteilung und Inhaftierung Lulas schickte ihn die Arbeiterpartei erst Mitte September offiziell als Ersatz für den populären Ex-Präsidenten ins Rennen. Der landesweit kaum bekannte Haddad hatte zu diesem Zeitpunkt nur noch einen Monat Zeit für seinen Wahlkampf.

Dennoch schaffte der 55-Jährige mit 29 Prozent der Stimmen den Einzug in die Stichwahl. Bolsonaro erhielt allerdings rund 46 Prozent. „Niemand dachte, dass ich in die zweite Runde kommen würde“, sagte Haddad Mitte Oktober in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP. „Ich finde, dass wir innerhalb eines Monats gute Arbeit geleistet haben.“

Der politische Aufstieg des Professors für Politikwissenschaft an der Universität Sao Paulo ist eng mit Lula verbunden. 2005 machte ihn der damalige Staatschef zum Bildungsminister.

Sieben Jahre später kandidierte Haddad als Bürgermeister der Millionenmetropole Sao Paulo. Die Umfragen sahen ihn damals, ähnlich wie heute, nicht als Favoriten. Doch mit der Unterstützung Lulas ging er als Sieger aus der Abstimmung hervor.

Dabei ist der äußere Unterschied zwischen Haddad und Lula denkbar groß. Hier der zurückhaltende Professor, ein Intellektueller mit grau meliertem Haar, seit 30 Jahren mit einer Zahnärztin verheiratet, Vater zweier Kinder. Dort der polternde Arbeiterführer Lula.

2016 folgte die erste große Niederlage in Haddads politischer Laufbahn: Er scheiterte krachend mit seiner Kandidatur um eine zweite Amtszeit als Bürgermeister. Zu dieser Zeit befand sich die gesamte Arbeiterpartei in einer tiefen Krise, ausgelöst durch die Absetzung der Präsidentin Dilma Roussef infolge von Korruptionsvorwürfen.

Auch Haddad geriet, wie Lula, ins Fadenkreuz der Justiz. Er soll sich im Bürgermeister-Wahlkampf 2012 der Korruption schuldig gemacht haben, lautete der Vorwurf - Anschuldigungen „ohne Beweis“, entgegnete Haddad.

Im Präsidentschaftswahlkampf 2018 setzte er dann erneut auf die Karte Lula und präsentierte sich als Vertreter des weiterhin äußerst populären Ex-Staatschefs. „Haddad, das ist Lula“, lautete der Slogan der Kampagne.

Doch vor der Stichwahl um die Präsidentschaft am Sonntag zieht der simple Bezug auf Lula offensichtlich nicht mehr. In jüngsten Umfragen kam Haddad auf lediglich 41 Prozent, Bolsonaro erreichte 59 Prozent.

Und das, obwohl der Ex-Offizier Bolsonaro reichlich Angriffsfläche bietet. Mit abfälligen Bemerkungen über Frauen, Homosexuelle und Schwarze polarisiert er die brasilianische Gesellschaft. „Mein Gegner schürt Gewalt, inklusive einer Vergewaltigungskultur“, sagte Haddad.

Nun versucht sich der 55-Jährige von seinem Mentor abzugrenzen. In den Werbeclips im Fernsehen verschwanden Lula und das rote Logo der Arbeiterpartei, stattdessen dominieren brasilianischen Nationalflaggen. So will Haddad möglichst viele Menschen hinter seiner Kandidatur versammeln und einen demokratischen Block gegen den Rechtspopulisten Bolsonaro bilden - zumindest symbolisch.

Bisher ist ihm dies den Umfragen zufolge aber nicht gelungen. Vor diesem Hintergrund verstärkte Haddad die Attacken auf Bolsonaro: Er wolle den „Faschismus“ in Brasilien verhindern, sagte der Kandidat der Arbeiterpartei. Bolsonaros Pläne würden „wirklich Angst machen“. „Wir werden bis zum Schluss für die Demokratie kämpfen.“




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