Letztes Update am Fr, 26.10.2018 08:02

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


56. Viennale - „Walden“ schwenkt sich um die Welt



Wien (APA) - Am Anfang steht der Wald. Schier endlos erscheinende steirische Baumreihen bilden den Einstieg in Daniel Zimmermanns „Walden“, der am 27. Oktober bei der Viennale zu sehen ist. Es folgt ein in 13 Einstellungen geteilter Rundschwenk der Kamera, bei dem vorwiegend Naturaufnahmen und arbeitende Menschen zu sehen sind. Am Ende mündet alles abrupt im brasilianischen Amazonas und hinterlässt Fragen.

Der vermeintliche Protagonist in Zimmermanns Film scheint Holz zu sein, das auf eine Reise um die halbe Welt geschickt wird. In der Nähe des oststeirischen Admont nimmt dieser Trip noch einen beschaulichen Anfang. Die Stille des Waldes, nur hin und wieder von Vogelgezwitscher durchbrochen, dominiert. Diese beinah meditativ-ruhige Stimmung wird schließlich durch den von Forstarbeitern und ihren Motorsägen verursachten Lärm zerstört.

Zu hören ist abseits der unmittelbaren Umweltgeräusche jedoch generell wenig. Wer sich nun eine klassische Dokumentation zur Verarbeitung und zum Vertrieb von Holzspanplatten erwartet, irrt. Der „Protagonist“ (Holz) wird mitgedacht, doch nicht konkret gezeigt. Es folgen, mit einer dem Film bis zum Ende anhaftenden Langsamkeit, Aufnahmen quer durch Europa: Die zum Teil bis zur Langatmigkeit ausgereizte Abfolge von Transportrouten, Transitpunkten, Raststätten und Verladestellen bilden die Choreografie des Films.

Lkw-Fahrer und Hafenarbeiter sind die stummen Statisten dieses Werks. Für kurze Zeit steht einer der Lastwägen im Zentrum der Aufmerksamkeit, der das Publikum zur jeweils nächsten Destination führt. In diesen Momenten bietet sich für den Zuschauer die Möglichkeit, einem kleinen Suchspiel nachzugehen. Wer den roten Laster findet, gewinnt! Zumindest ein wenig Kurzweil zwischendurch.

Die Reise des Schnittholzes endet im Dickicht der Wälder des Amazonas in Brasilien, wo sich ortsansässige Arbeiter mit motorisierten Kanus durchs Gewässer schlängeln. Die Intention der Kritik am globalisierten Handel und den damit verbundenen Arbeitsbedingungen schwingt in „Walden“ zwar mit, schlägt aber nicht durch. Zur reinen Veranschaulichung seines Sujets fehlen dem Werk des Schweizer Regisseurs Zimmermann die großen Bilder. Das Anprangern der naturausbeutenden Globalisierungmechanismen bleibt dabei als Botschaft nur allzu dezent.

(S E R V I C E - „Walden“ von Daniel Zimmermann läuft bei der Viennale am 27. Oktober um 18.30 Uhr sowie am 3. November um 13.30 Uhr in der Urania. www.viennale.at/de/film/walden)




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