Letztes Update am Fr, 26.10.2018 09:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„Bohemian Rhapsody“ - Der lange Weg von der Idee zum Film



Wien (APA) - Man darf sich wundern, dass nicht schon längst eine Filmbiografie über die britische Rockband Queen existiert - schillernder und reichhaltiger kann kaum ein Plot in diesem Genre sein. Am 31. Oktober steht nun endlich die Verfilmung mit dem Titel „Bohemian Rhapsody“ am Start. Von der ersten Idee bis zur Filmpremiere war es allerdings ein wahrlich langer Weg. Die Stationen im Überblick:

Allein schon die pittoresken Schauplätze ließen jeden „James Bond“ alt aussehen: Sansibar und Indien (Geburts- und Schulort Freddie Mercurys), Japan (erste Fanhysterie), Südamerika (Zuschauerrekorde), Südafrika (umstrittene Auftritte mit Imagebeschädigung) oder Ungarn (erstes Megakonzert hinterm Eisernen Vorhang). Dazu der schleppende, aber unaufhaltsame Aufstieg in den Rock/Pop-Olymp bis hin zum tragischen Tod Mercurys. Quasi ein sich selbst verfertigendes Drehbuch.

Und tatsächlich tauchen im Mai 2007 erste Gerüchte auf, dass Sacha Baron Cohen („Borat“) in einem Film über die Rockgruppe Queen (Arbeitstitel: „Mercury“) Freddie Mercury verkörpern und dabei sogar Johnny Depp als möglichen Kandidaten aus dem Feld geschlagen haben soll. Sechs Jahre lang wird sich Cohen mit dem Projekt beschäftigen, sich in Interviews stets auskunftsfreudig geben und sogar Gesangsstunden nehmen, bis es zum Zerwürfnis mit Gitarrist Brian May - oder wie es offiziell hieß „zu kreativen Differenzen“ - kommt.

Fest steht: Es wurde schon eifrig gewerkelt. Nebst anderen sind Graham King („Hugo Cabret“, „Argo“) und Robert De Niro als Produzenten an Bord (letzterer hat schon bei der Musical-Produktion „We Will Rock You“ ordentlich mitgeschnitten). Der in Wien lebende, Golden-Globe-prämierte Drehbuchautor Peter Morgan („Die Queen“) beginnt, am Skript zu arbeiten, mit der Aufgabenstellung, die Bandgeschichte von ihren Anfängen bis zum Auftritt bei „Live-Aid“ 1985 zu erzählen und damit Mercurys Kampf gegen Aids außen vor zu lassen. 2012 sickert erstmals der Name eines möglichen Regisseurs durch: Stephen Frears, zufällig der Regisseur von Peter Morgans „The Queen“, trifft sich sogar zum Gedankenaustausch mit Cohen.

Cohen indes versucht, Regisseur und Oscar-Preisträger Tom Hooper („Les Miserables“, „The King‘s Speech“) in Position zu bringen, die Verantwortlichen lehnen aber ab. So kommt es 2013 endgültig zum Bruch zwischen dem designierten Hauptdarsteller und der Band. Auch Peter Morgan wirft das Handtuch und äußert den Verdacht, dass das Projekt wohl nie zustande kommen werde. Heftiges Dementi der Produzenten.

Ende 2013 zirkuliert ein neuer Name als Mercury-Darsteller: Ben Wishaw („Das Parfum“, „Skyfall“). Drummer Roger Taylor orakelt bei einem TV-Auftritt, er hoffe, dass ein Schauspieler mit den Initialen BW den Part übernehmen würde. Vom englischen Boulevard wird zusätzlich Daniel Ratcliffe („Harry Potter“) ins Spiel gebracht, der dieses Gerücht kurzerhand als „lächerlich“ abtut. Ebenfalls zu der Zeit wird Dexter Fletcher („Eddie The Eagle“) zum Regisseur ernannt, nur wenige Monate später verlässt er wegen „kreativer Differenzen“ das Projekt. Herr Fletcher wird später noch ein wichtige Rolle spielen.

Ende 2015 wird Anthony McCarten („Die Entdeckung der Unendlichkeit“) als Autor angeheuert, um Peter Morgans Drehbuch zu überarbeiten. Und wieder ein Jahr später scheint es wirklich ernst zu werden, weil man sich sicher ist, mit der Verpflichtung von Rami Malek („Nachts im Museum“, „Mr. Robot“) den perfekten Hauptdarsteller gefunden zu haben. Und mit Bryan Singer („Die üblichen Verdächtigen“) ward auch definitiv der Regiesessel besetzt. Einer der ersten Namen auf der Besetzungsliste ist übrigens Mike Myers, der mit der Headbanger-Szene in seinem 1992er Kultstreifen „Wayne‘s World“ den Queen-Hit „Bohemian Rhapsody“ 17 Jahre nach seinem Erscheinen erneut in die Charts katapultiert hat.

Mitte 2017 ist mit der Ankündigung der 20th Century Fox, den Film „Bohemian Rhapsody“ zu Weihnachten 2018 in die Kinos bringen zu wollen, definitiv Land in Sicht - wäre nicht im Dezember des Vorjahres Regisseur Bryan Singer von heute auf morgen abgetaucht. Wie sich herausstellt, hat ihn eine familiäre Angelegenheit zu seinem Handeln gezwungen, da aber im Zuge des Disputs auch - no na - „kreative Differenzen“ am Set bekannt werden und ihn zu allem Überdruss auch noch Vorwürfe wegen sexueller Belästigung aus der Vergangenheit einholen, wird er schließlich gefeuert. Zum Retter in der Not wird besagter Dexter Fletcher, der die ohnehin schon zügig vorangegangenen Dreharbeiten zu Ende bringt. Dennoch wird Bryan Singer gemäß den geltenden Filmregeln als alleiniger Regisseur in den Credits geführt, weil er eben den Großteil des Films in den Kasten gebracht hat.

Produzent Graham King antwortete auf die Frage, ob es das alles wert war: „Oh ja. Ich glaube, Freddie war ein Perfektionist und hat uns einige Knüppel zwischen die Beine geworfen. Ich bin wirklich davon überzeugt, dass da oben jemand ist, der uns davon abgehalten hat, den Film früher zu machen und der mich zur besten Version der Geschichte getrieben hat.“




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