Letztes Update am Fr, 26.10.2018 14:32

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Nach Urteil gegen Deutschen in Türkei: Kurden-Verband entsetzt



Berlin (APA/dpa) - Nach dem Urteil gegen den Deutschen Patrick K. in der Türkei wegen angeblicher Mitgliedschaft in einer Terrororganisation zeigt sich die Kurdische Gemeinde Deutschland entsetzt. Das Urteil sei „erschütternd und demütigend“, hieß es am Freitag in einer Pressemitteilung der Organisation, die ein Dachverband deutsch-kurdischer Vereine ist.

Der stellvertretende Bundesvorsitzende Mehmet Tanriverdi sagte demnach: „Der einzige Beweis für diesen Vorwurf ist, dass K. während seines Wanderurlaubs im kurdischen Grenzgebiet aufgegriffen wurde.“

Offensichtlich reiche allein der Aufenthalt in den kurdischen Gebieten, um als Terrorunterstützer verhaftet und verurteilt zu werden. Der junge Mann sei weder politisch noch pro-kurdisch gewesen, sagte Tanriverdi.

K. war nach türkischen Angaben im März im türkisch-syrischen Grenzgebiet aufgegriffen worden. Die Provinz ist kurdisch dominiert. Die türkische Regierung ist dort seit Jahren militärisch aktiv, um angebliche Anhänger der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) zu bekämpfen. Die gilt in der Türkei und Europa als Terrororganisation. Die Staatsanwaltschaft wirft K. Mitgliedschaft in der in Syrien aktiven Kurdenmiliz YPG vor, die der PKK nahesteht. Nach Angaben seiner Familie war er zum Wandern in der Türkei.

Ein türkisches Gericht hatte K. am Freitagmorgen zu sechs Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt. Weil er ein militärisches Sperrgebiet betreten habe, solle der 29-Jährige außerdem für ein Jahr und acht Monate ins Gefängnis, sagte sein Anwalt Hüseyin Bilgi der Deutschen Presse-Agentur.




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