Letztes Update am Sa, 27.10.2018 07:57

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Mutmaßlicher US-Briefbomber ist offenbar ein fanatischer Trump-Fan



Washington (APA/AFP) - Noch ist nicht allzu viel über den Mann aus Florida bekannt, der die mindestens 13 Rohrbomben an prominente Kritiker von Donald Trump verschickt haben soll. Doch diverse Indizien deuten darauf hin, dass der am Freitag festgenommene Cesar Altieri Sayoc ein fanatischer Anhänger des US-Präsidenten ist. Auf Konten in den Onlinenetzwerken, die offenbar von dem 56-Jährigen stammen, wird Trump gepriesen und gegen dessen politische Gegner agitiert.

Die Ermittlungsbehörden wollten sich kurz nach der Festnahme noch nicht zu den Motiven des mutmaßlichen Attentäters äußern. Dafür sei es „zu früh“, sagte der Chef der Bundespolizei FBI, Christopher Wray. Rechtsgerichtete Verschwörungstheoretiker hatten in den vergangenen Tagen angezweifelt, dass der Briefbomber ein Trump-Unterstützer sei - obwohl dies die Liste der Adressaten der Sprengsätze bereits nahelegte.

Stattdessen witterten sie ein vermeintliches Komplott linker Fanatiker mit dem Ziel, dem rechten Lager die Schuld an dem Bombenalarm zuzuweisen und so den Republikanern bei den bevorstehenden Kongresswahlen zu schaden. Diese wilden Spekulationen passen aber ganz und gar nicht zum Profil des nun festgenommenen Mannes, wie es sich aus den ersten Indizien ergibt.

Sayoc war in einem Lieferwagen unterwegs, der offenbar großflächig mit Aufklebern politischen Inhalts zugekleistert war. Auf Fotos in den Onlinenetzwerken, die das von der Polizei beschlagnahmte Fahrzeug zeigen sollen, sind diese Aufkleber zu sehen - sie werben für Trump und prangern die oppositionellen Demokraten an.

Auf einer der Scheiben kleben etwa Fotos von Ex-Präsident Barack Obama und der ehemaligen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton. Sie tragen Zielscheiben auf den Gesichtern. Auch ein Aufkleber mit dem Spruch „CNN ist zum Kotzen“ gehört zum Dekor. Obama, Clinton und der Trump-kritische Fernsehsender gehörten zu den Briefbomben-Adressaten.

Ein Foto von Sayoc bei Facebook zeigt ihn mit einer roten Kappe mit dem Trump-Slogan „Macht Amerika wieder großartig“. In einer Twitter-Botschaft im Juni, die offenbar von Sayoc stammt, wird Trump zum Geburtstag gratuliert und der Präsident aufgefordert, das „fantastische“ Projekt des Mauerbaus an der Grenze zu Mexiko voranzutreiben.

Debra Gureghian, Managerin einer Pizzeria in Fort Lauderdale, in der Sayoc früher arbeitete, beschreibt ihn als „durchgeknallt“. Sayoc sei „sehr wütend“ auf die Welt gewesen - auf „Schwarze, Juden, Schwule“, sagte sie der Zeitung „Washington Post“.

Das FBI stieß durch einen Fingerabdruck auf Sayoc, der auf einem der Briefumschläge mit den Sprengsätzen gefunden worden war. Sayoc war in früheren Jahren schon mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten. So wurde er wegen einer Bombendrohung gegen seinen Stromversorger zu einer einjährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Festgenommen wurde er auch wegen Diebstahls und häuslicher Gewalt.

Über Sayocs Lebenslauf ist bisher wenig bekannt. Die biografischen Angaben auf seinen mutmaßlichen Onlinekonten sind nicht unbedingt zuverlässig. Demnach soll Sayoc früher „professioneller Fußballspieler, Ring- und Käfigkämpfer“ gewesen sein, aber auch Tiermedizin studiert haben. Auch soll er zumindest teilweise philippinischer Herkunft sein, sein Großvater sei dort ein „berühmter Chirurg“ gewesen.

Andererseits wird Sayoc in diesen Darstellungen mit dem Indianerstamm der Seminoles in Verbindung gebracht. Er habe in einem von den Seminoles betriebenen Hotel-Kasino gearbeitet. Der Stamm teilte jedoch mit, er habe „keine Belege“ dafür, dass Sayoc dort tätig gewesen und Stammesmitglied sei.

Die US-Öffentlichkeit hofft nun gespannt darauf, dass die Ermittlungsbehörden schon bald mehr Aufklärung über diesen in vielerlei Hinsicht noch mysteriösen Mann schaffen. Klar ist aber bereits, dass ihm jahrzehntelange Haft droht. Sayoc wurde bereits formell mehrerer schwerer Verbrechen beschuldigt, darunter „Angriffe“ auf frühere Regierungsvertreter. Seine absehbare Maximalstrafe beläuft sich laut Justizministerium auf 48 Jahre.




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