Letztes Update am Sa, 27.10.2018 16:16

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ski alpin: ÖSV-Betreuer sahen in Damen-RTL unerwartete „Lichtblicke“



Sölden (APA) - Obwohl beim alpinen Ski-Auftakt in Sölden mit Stephanie Brunner als Fünfte nur eine Österreicherin unter den Top 15 landete, bilanzierte die ÖSV-Führungsriege positiv. Denn acht der elf gestarteten Österreicherinnen schafften den Sprung in den Entscheidungsdurchgang. Die französische Siegerin Tessa Worley freute sich über einen Erfolg, „an einem Ort, an dem man als Rennfahrerin gewinnen will.“

Jürgen Kriechbaum betonte die mannschaftliche Geschlossenheit. „Das ist für unsere Arbeit ein sehr positives Zeichen. Gerade im Riesentorlauf, wo in der Vergangenheit manchmal auch nur eine unter den ersten 20 war, ist das schon super“, sagte der Damen-Rennsportleiter, bemerkte aber auch: „Wir müssen natürlich hart weiterarbeiten, sodass auch die, die heute gut waren, noch einmal einen Schritt nach vorne machen.“

Brunner habe ihr Comeback nach erst im März zugezogenen Kreuzband- und Meniskusriss „richtig cool hingekriegt“. Sie habe die Verletzung gut genützt, um gewisse körperliche Schwächen auszumerzen. „Sie war sehr fokussiert, auch schon die ganze Zeit vor dem Rennen. Heute hat es fast so ausgesehen, als wäre nie etwas gewesen.“

Am Ende fehlten der 24-Jährigen 1,93 Sekunden auf Gewinnerin Worley. Die zweifache Weltmeisterin sorgte für den ersten französischen Frauen-Triumph auf dem Rettenbachferner. „Sölden ist ein Ort, an dem man als Rennfahrerin zumindest einmal gewinnen will. Ich bin sehr glücklich, dass mir das gelungen ist.“

Brunner untermauerte mit ihrem achten Top-fünf-Resultat im Weltcup ihren Status als Nummer eins im ÖSV-Riesentorlauf-Team. Sie schöpfe nach erfolgreicher Standortbestimmung „Gelassenheit für die Zukunft“, es sei ein Tag zum Genießen: „Obwohl das Wetter zum Feiern vielleicht nicht so mitspielt.“

Das leichte Schneetreiben samt schlechter Bodensicht verunsicherte die Tirolerin nicht - im Gegenteil: „Ich mag es, wenn es schneit, die Bodensicht nicht ganz da ist, wenn es unruhig ist. Ich habe mir vor dem Start gedacht: Stephi, das ist genau deins.“ Ihre Kurzanalyse fiel so banal wie treffend aus: „Ich weiß, dass ich sehr gut Skifahren kann und das Vertrauen habe ich auch im Rennen mitgenommen.“

Als 16. zweitbeste Österreicherin wurde Katharina Liensberger, sie war im Riesentorlauf noch nie so weit vorne zu finden. Dahinter folgten Katharina Truppe (17.) und Stephanie Resch (19.). Das Trio machte mit unbekümmerten Fahrten auf sich aufmerksam. „Es ist wirklich sehr positiv, sie haben eine Klasseleistung gezeigt. Bei der Stephi wäre ohne den Fehler bei der Steilhangausfahrt Top zehn drin gewesen“, bemerkte Kriechbaum.

Resch war freilich „mega happy“. Noch bis Dienstag hatte sie um einen der letzten zwei Startplätze gekämpft. Die 22-Jährige habe sich nach Verletzungsproblemen nach vorne gearbeitet, wie Kriechbaum betonte. „Man hat gesehen, der Ski liegt auch bei schwieriger Piste ganz ruhig und fein.“

Enttäuschend endete das Sölden-Comeback von Anna Veith. Die Salzburgerin wurde 20. „Ich hatte auf der schwierigen Piste nie das Gefühl, wirklich Ski zu fahren.“ Ihre Hoffnung, sich in Sölden Renngefühl zu holen, habe sich nicht erfüllt. „Ich weiß nicht genau, was ich daraus mitnehmen soll.“

Sportdirektor Hans Pum sah den Tag für Veith nicht ganz so düster. „Sie konnte auch bei den Schlägen sehen, dass alles passt.“ Pum freute sich über eine „mannschaftlich starke Vorstellung mit wirklich guten Teilabschnitten“. Besonders Resch tat es ihm mit einer „beherzten Fahrt“ an.

Dass gleich acht Athletinnen punkteten, bezeichnete ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel als „großen Lichtblick“, denn viel erwartet hatte er sich eigenen Aussagen zufolge nicht. „Wir waren bisher bei den Damen ja nicht so stark. Mir gefällt das Resultat als Aussicht für die Saison sehr gut.“




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