Letztes Update am So, 04.11.2018 08:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


56. Viennale - „Cassandro The Exotico“: Glitzer, Wrestling, Föhntolle



Wien (APA) - Cassandro ist schwul, Liebhaber aufwendiger Föhnfrisuren - und Wrestler. Dies ist eine Kombination, wie es sie nur im mexikanischen Wrestling, dem Lucha libre, geben kann. Und Cassandro ist in einem Alter, in dem die Knochen nicht mehr mitspielen. Diesen ungewöhnlichen Charakter porträtiert Marie Losier nun in „Cassandro The Exotico!“. Am Montag bei der Viennale in der Urania.

Die gebürtige Französin Losier begleitet den Endvierziger mit bürgerlichem Namen Saul Armendariz in grieseligem 16mm. Dadurch hat ihr Werk die wacklige, bonbonfarbene 80er-Ästhetik, der auch der Glitzertrikots liebende Cassandro zu entstammen scheint. Die Kamera folgt dem Meister durch die für Europäer nur schwer verständlichen Zwischenwelt aus Sport, Tanzchoreografie und Artistik, die das Lucha libre darstellt, wobei die Kämpfe nur in Zwischenflashs festgehalten werden.

Der Fokus liegt ganz auf Cassandro, der seinen Therapiebären präsentiert, um mit den Traumata seiner Kindheit klarzukommen, und Plaketten sammelt, wie viele Jahre er schon von den Drogen weg ist. Und vor allem offenbart der Liberace seines Sports seinen verzweifelten Kampf mit dem malträtierten Körper, der durchaus narrative Längen hat. Am Ende ist klar, dass dieser obsiegt und sich Cassandro von seinem bisherigen Lebensinhalt verabschieden muss - nicht jedoch ohne dramatischen Abtritt.

(S E R V I C E - „Cassandro The Exotico!“ am 5. November um 21 Uhr in der Urania im Rahmen der Viennale. www.viennale.at/de/film/cassandro-exotico)




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