Letztes Update am So, 04.11.2018 08:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


56. Viennale - Ein Triptychon des Leids: „Chaos“



Wien (APA) - „Chaos“ ist der Versuch, das Unsagbare, das Unzeigbare auf die Kinoleinwand zu bannen. Die in Wien lebende Syrerin Sara Fattahi schafft mit ihrem dokumentarischen Essay das intime Porträt dreier Syrerinnen, die räumlich getrennt und in ihrem Leid vereint sind. In Locarno konnte „Chaos“ die Sektion der zeitgenössischen Filmemacher für sich entscheiden. Am Montag bei der Viennale im Gartenbaukino.

„Chaos“ ist ein Film über den Krieg im Frieden respektive über das, was Krieg mit den Menschen macht. Über drei Zeitebenen und drei Schicksale hinweg, nähert sich Fattahi den Traumata in den Seelen, ohne ihr Gegenüber zu entblößen. Jenseits gängiger Talking-Heads-Dokumentararbeiten verschränken sich die Impressionen zu einem mehrstimmigen Kompendium des Leids, eingefangen in impressionistischen Bildern.

So legt in Damaskus eine Mutter ihrem Sohn alltäglich die Kleidung aufs Bett - obgleich dieser ermordet wurde. Im schwedischen Exil hingegen versucht eine Freundin Fattahis ihren Schrecken in Collagen zu manifestieren. Und schließlich gibt es eine dritte Figur, die Wien wie ein Geist durchstreicht - das Alter Ego der Regisseurin. Stumm ist diese Figur, während Ingeborg Bachmann ihr Gedicht „Exil“ liest und so den Charakter in seiner Unbestimmtheit verortet.

Ingeborg Bachmann sei eine ihrer Verbindungen zu Wien, begründet die Filmemacherin im APA-Gespräch ihre Wahl der Autorin. „Als ich nach Wien kam, habe ich festgestellt, dass sie die perfekte Brücke ist für mich zu dieser neuen Stadt. Sie hat viel darüber geschrieben, wie es sich im inneren Exil anfühlt und wie es ist, als Fremde in einem neuen Land zu sein.“

Der von der Wiener Little Magnet Films produzierte „Chaos“ ist der zweite Teil einer Trilogie der 35-Jährigen Fattahi nach ihrem Debüt „Coma“ (2015). Die aus Damaskus stammende Regisseurin nahm im Vorjahr bei den Berlinale Talents teil und lebt seit knapp drei Jahren in Wien. Als Abschluss möchte sie nun einen Spielfilm drehen, der von einer Frau handeln soll, die versucht, in ihr Heimatland zurückzukommen und dafür drei Anläufe braucht. Die künstlerische wie die persönliche Lebensreise von Sara Fattahi ist also weiterhin im Werden.

(S E R V I C E - „Chaos“ am 5. November um 18 Uhr im Gartenbaukino und am 8. November um 11 Uhr im Metro Kinokulturhaus. www.chaos-film.com/)




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