Letztes Update am So, 04.11.2018 13:34

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Mehrheit gegen Abspaltung Neukaledoniens von Frankreich



Noumea (APA/AFP/dpa/Reuters) - Bei einem Referendum im französischen Überseegebiet Neukaledonien hat eine deutliche Mehrheit gegen die Unabhängigkeit gestimmt. Nach Auszählung fast aller Stimmen waren knapp 57 Prozent dagegen, wie das öffentlich-rechtliche Fernsehen der Inselgruppe berichtete. Für die Trennung stimmten etwa 43 Prozent. Das offizielle Ergebnis wurde noch im Laufe des Sonntags (MEZ) erwartet.

Das Resultat bedeutet vor allem für die Bevölkerungsgruppe der Kanaken - Neukaledoniens Indigene - eine Enttäuschung. Von ihnen hoffen viele seit langem auf einen eigenen Staat. Das Nein fiel allerdings nicht so deutlich aus wie von vielen erwartet.

Zudem bedeutet es nicht, dass die Hoffnung der Separatisten endgültig gestorben ist. Bis 2024 sind nach früheren Abmachungen mit Paris noch zwei weitere Volksabstimmungen möglich. Aktuell sind noch knapp 40 Prozent der Bevölkerung Kanaken. „Kanake“ bedeutet auf Deutsch „Mensch“.

Wahlberechtigt waren etwa 175.000 Bewohner der Inselgruppe im südlichen Pazifik. Die Beteiligung lag nach vorläufigen Zahlen bei etwa 80 Prozent. Ursprünglich hätte die Abstimmung bereits 1998 stattfinden sollen. Sie wurde aber immer wieder hinausgezögert. Der französische Präsident Emmanuel Macron begrüßte das Votum.

An diesem Montag wird der französische Premierminister Edouard Philippe zu einem Besuch in der Hauptstadt Noumea erwartet. Aus Sorge vor Unruhen verstärkte der Staat die Sicherheitskräfte. In einigen Stadtvierteln Noumeas wurden in der Nacht (Ortszeit) Autos in Brand gesetzt.

Das Archipel Nouvelle-Caledonie (wörtlich übersetzt: Neuschottland) wurde 1853 von Paris in Besitz genommen und anfangs als Sträflingsinsel genutzt. Heute sind dort mehr als 280.000 Menschen zuhause - neben Kanaken und Nachfahren der Kolonialsiedler inzwischen auch viele Zuwanderer aus anderen Pazifikstaaten. Aktuell erhalten die Inseln pro Jahr etwa eine Milliarde Euro aus Paris.

Treibende Kraft der Unabhängigkeitsbewegung ist die FLNKS (Front de Liberation Nationale Kanak et Socialiste/Kanakische Sozialistische Front der Nationalen Befreiung). In den 1980er-Jahren stand Neukaledonien am Rande eines Bürgerkriegs. Es gab auch mehrere Dutzend Tote. Inzwischen hat sich die Stimmung deutlich beruhigt. Die FLNKS ist längst auch an der Inselregierung beteiligt.

Neukaledonien gehört nicht zum Gebiet der Europäischen Union. Bezahlt wird nicht mit dem Euro, sondern mit dem Pazifik-Franc. Bei Europawahlen dürfen die Neukaledonier aber mitstimmen. Zudem wird aus den Kassen der EU auch die Infrastruktur auf der Inselgruppe mitfinanziert.

Die Bewohner waren aufgerufen darüber abzustimmen, ob sie die „vollständige Souveränität und Unabhängigkeit“ wollen. Die Inselgruppe besitzt nach wie vor geostrategische Bedeutung für Paris. Zudem lagert hier ein Viertel der weltweiten Nickelvorkommen - ein wichtiger Rohstoff für die Herstellung elektronischer Geräte.




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