Letztes Update am Mo, 05.11.2018 10:59

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Französischer Premier Philippe lädt Neukaledonier nach Paris ein



Noumea (APA/dpa/AFP) - Frankreich will nach dem Nein seines Überseegebiets Neukaledonien zur Unabhängigkeit mit allen Beteiligten im Gespräch bleiben. Bei einem Besuch auf der Inselgruppe im Pazifik lud Premierminister Édouard Philippe am Montag Befürworter und Gegner für nächsten Monat zu einem Treffen nach Paris ein. Dabei soll es um die künftige Zusammenarbeit gehen.

Ähnliche Runden zur Zukunft des Pazifikgebiets gab es schon in früheren Jahren.

Bei dem Referendum hatten sich am Sonntag 56,4 Prozent der Stimmberechtigten dafür ausgesprochen, dass die Inselgruppe bei Frankreich bleibt. Für die Trennung stimmten 43,6 Prozent. Das Ergebnis bedeutet vor allem für die Bevölkerungsgruppe der Kanaken - Neukaledoniens Ureinwohner - eine Enttäuschung. Von ihnen hoffen viele seit langem auf einen eigenen Staat. Das Nein fiel allerdings weniger deutlich aus als von vielen erwartet.

Zudem bedeutet die Niederlage nicht, dass die Hoffnung der Separatisten endgültig gestorben ist. Bis 2024 sind nach früheren Abmachungen mit Paris noch zwei weitere Volksabstimmungen möglich. Die Befürworter einer Trennung machten am Montag deutlich, dass sie ihre Ambitionen noch nicht aufgegeben haben. Aktuell sind knapp 40 Prozent der Bevölkerung Kanaken. Auf Deutsch bedeutet Kanake Mensch.

Philippe lobte die Volksabstimmung als „echten demokratischen Erfolg“. „Niemand zieht das Ergebnis in Zweifel“, sagte der Premierminister. Er würdigte die Wahlbeteiligung von 80,6 Prozent bei einer Begegnung mit Studierenden als „absolut beachtlich“. Staatspräsident Emmanuel Macron hatte sich am Sonntag seinerseits „stolz“ über das Ergebnis geäußert, das er als Vertrauenserklärung für Frankreich wertete.

Im Großen und Ganzen war es nach Bekanntgabe des Ergebnisses ruhig geblieben. In einigen Stadtteilen Nouméas setzten Jugendliche zwar Autos und Autoreifen in Brand. Größere Zwischenfälle wurden aber nicht bekannt.

Das Archipel Nouvelle-Calédonie (wörtlich übersetzt: Neuschottland) wurde 1853 von Frankreich in Besitz genommen und anfangs als Sträflingsinsel genutzt. Heute sind dort mehr als 280.000 Menschen zuhause - neben Kanaken und Nachfahren der Kolonisten inzwischen auch viele Zuwanderer aus anderen Pazifikstaaten. Aktuell erhalten die Inseln pro Jahr etwa eine Milliarde Euro aus Paris.




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