Letztes Update am Mo, 05.11.2018 12:12

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Von Riad geführtes Militärbündnis will im Jemen deeskalierend wirken



Sanaa/Istanbul (APA/AFP) - Saudi-Arabien und seine Verbündeten haben nur wenige Tage nach dem Beginn ihres Angriffs auf die Hafenstadt Hodeidah ihre Bereitschaft zur Deeskalation im Jemen-Konflikt bekräftigt. Aus dem von Saudi-Arabien angeführten Militärbündnis hieß es am Montag gegenüber AFP, das Bündnis unterstütze entschieden den von der UNO angestrebten „politischen Prozess“ zur Beilegung der Kampfhandlungen.

Am Donnerstag hatte die von den USA unterstützte Militärkoalition arabischer Staaten erneut eine Offensive auf die strategisch wichtige Stadt Hodeidah am Roten Meer gestartet, die von Rebellen gehalten wird. Im Hafen kommen mehr als 70 Prozent der Importe für das verarmte Bürgerkriegsland an, darunter auch dringend benötigte humanitäre Hilfe.

Das Militärbündnis hatte die Offensive vor den für Anfang September geplanten Friedensgesprächen zwischen der jemenitischen Regierung und den Houthi-Rebellen ausgesetzt. Diese sollten unter UN-Vermittlung in Genf stattfinden. Doch die Gespräche scheiterten, noch bevor sie überhaupt begonnen hatten.

Am Wochenende gab es in Hodeidah heftige Kämpfe zwischen Rebellen und regierungstreuen Soldaten. Kampfflugzeuge des Militärbündnisses unterstützten die Soldaten mit dutzenden Angriffen aus der Luft. Ärzten zufolge gab es dutzende Tote auf beiden Seiten.

Der Vertreter des Militärbündnisses, der nicht namentlich genannt werden wollte, sagte: „Wir wollen den Konflikt so bald wie möglich beenden.“ Die Offensive werde allerdings weitergehen, sollten die Rebellen nicht zu Friedensgesprächen erscheinen.

Im Jemen herrscht Krieg zwischen Houthi-Rebellen und den von Saudi-Arabien und anderen arabischen Staaten unterstützten Truppen von Präsident Abd Rabbo Mansour Hadi. In dem Konflikt wurden nach UNO-Angaben bereits rund 10.000 Menschen getötet, unter ihnen tausende Zivilisten, seit sich das saudiarabisch geführte Lager 2015 in die Kämpfe einschaltete. Menschenrechtsgruppen zufolge könnte die Totenzahl das Fünffache betragen.

Die Lage im Jemen ist katastrophal. Nach Einschätzung der UNO handelt es sich um die schwerste humanitäre Krise weltweit. 14 Millionen Menschen sind demnach vom Hunger bedroht, die Hälfte davon Kinder. Laut dem Kinderhilfswerk UNICEF leiden 1,8 Millionen jemenitische Kinder unter fünf Jahren unter akuter Unterernährung. Alle zehn Minuten sterbe dort ein Kind an vermeidbaren Krankheiten.

Die USA riefen vergangene Woche ihren Verbündeten Saudi-Arabien zum Ende der Luftangriffe im Jemen auf und mahnten Friedensgespräche an. Am Freitag forderte UNO-Generalsekretär António Guterres ein Ende der Gewalt. Großbritannien rief am Montag den UNO-Sicherheitsrat zum Handeln auf.




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