Letztes Update am Mo, 05.11.2018 13:07

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Sanktionen gegen den Iran werden den Ölpreis nach oben treiben



London (APA/AFP) - Die Sanktionen der USA gegen den Iran bringen den sorgsam austarierten Ölmarkt durcheinander. Experten gehen davon aus, dass die Preise steigen werden. Der Iran ist der drittgrößte Ölproduzent in der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC).

Wie viel Öl liefert Iran für den Weltmarkt?

Iran exportierte im April, bevor US-Präsident Donald Trump die Sanktionen ankündigte und Käufer abschreckte, rund 2,5 Millionen Barrel (ein Barrel sind 159 Liter) pro Tag. Mittlerweile sind es Schätzungen zufolge noch 1,6 Millionen Barrel am Tag. Zwar haben die USA ihre harte Forderung nach einer Reduzierung auf null schon abgemildert - Außenminister Mike Pompeo kündigte mittlerweile Ausnahmen für acht Länder an. Doch „Washington wird sich nur mit einer deutlichen Absenkung der Exporte zufrieden geben“, sagt UBS-Analyst Giovanni Staunovo. Er rechnet mit steigenden Preisen auf dem Weltmarkt.

Wie reagiert der Ölpreis?

Seit Ankündigung der Sanktionen gegen den Iran war der Ölpreis stetig gestiegen - ein vorläufiges Hoch erreichte er Anfang Oktober bei über 85 Dollar (knapp 75 Euro) pro Barrel. Eine Rolle spielten dabei auch die Wirtschaftskrise in Venezuela, das als Lieferant fast komplett ausfällt, und der Entschluss der Ölförderländer im September, die Förderung nicht auszuweiten. Seitdem ist der Ölpreis sogar wieder gefallen, und zwar um fast 15 Dollar. Das liegt vor allem an den Ausnahmen, die Washington bereit ist zu gewähren.

Wer wird weiter iranisches Öl einkaufen?

Zu den acht Ländern, die - wenn auch in begrenztem Ausmaß - weiter iranisches Öl kaufen dürfen, gehört nach eigenen Angaben die Türkei. Beobachter gehen davon aus, dass auch Japan, Südkorea und Indien auf der Ausnahme-Liste stehen. Indien ist ein großer Abnehmer von iranischem Öl - und „Indien hat deutlich gemacht, dass sie die Öllieferungen aus dem Iran nicht vor März stoppen können“, sagt Natixis-Analyst Joel Hancock. „Sie stecken in einer schweren Währungskrise.“

Was können die anderen Ölförderländer ausgleichen?

Trump hat mehrfach deutlich gemacht, dass er von seinem Verbündeten Saudi-Arabien, dem weltweit größten Produzenten, eine Steigerung der Ölexporte erwartet. Saudi-Arabien ist nach Expertenangaben der einzige Produzent, der seine Förderung schnell und nennenswert erhöhen kann. Joel Hancock sagt, „binnen 30 Tagen“ seien 300.000 Barrel am Tag mehr möglich. Derzeit fördert das Land unter elf Millionen Barrel am Tag - eine Steigerung auf zwölf Millionen Barrel pro Tag sei zwar möglich, „aber nur, wenn sie investieren“.

Auch Samir Madani von der Firma TankerTracker.com in Stockholm, die den Tankerverkehr weltweit verfolgt, sagt: „Die Produktion Saudi-Arabiens stagniert derzeit bei zehn oder 10,2 Millionen Barrel am Tag.“ Stark gesteigert habe aber der Irak seine Produktion - auf 4,2 Millionen Barrel am Tag. Die irakische Zentralregierung hat die Fördermenge ausgeweitet, seitdem sie die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) vergangenes Jahr besiegt hat. Die Extremistengruppe hatte 2014 große Teile des Landes erobert, darunter mehrere Ölfelder.




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