Letztes Update am Mo, 05.11.2018 13:19

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kosovo will in die Interpol aufgenommen werden



Prishtina (Pristina)/Belgrad (APA) - Der Kosovo hofft, demnächst in die internationale Polizeiorganisation Interpol aufgenommen zu werden. Darüber soll bei der Interpol-Generalversammlung entschieden werden, die vom 18. bis zum 21. November in Dubai stattfindet. Serbien setzt unterdessen alles daran, die Aufnahme zu verhindern.

Wäre der Kosovo Interpol-Mitglied, würde das nach Meinung von Jetlir Zyberaj, einem Berater des kosovarischen Außenministers Behgjet Pacolli, zur internationalen Sicherheit und zum Kampf gegen organisierte Kriminalität und Terrorismus beitragen.

Für den serbischen Innenminister Nebojsa Stefanovic wäre das dagegen eine „grobe Verletzung des internationalen Rechts und der UNO-Resolution Nr. 1244 zum Kosovo“. In der Resolution aus dem Jahr 1999, die mangels Konsens nie ersetzt wurde, wird der Kosovo als Bestandteil Serbiens bezeichnet.

Auch würde die Aufnahme des Kosovo in die Interpol einen Präzedenzfall darstellen, so Stefanovic weiter. Sie stünde im Widerspruch mit den Interpol-Regeln, wonach nur UNO-Mitgliedstaaten in die internationale Polizeiorganisation aufgenommen werden könnten. Der Kosovo ist bisher nicht UNO-Mitglied, weil Serbien dies mit Unterstützung der Vetomacht Russland verhindert hat.

Stefanovic sprach von „zahlreichen schädlichen Folgen“ nicht nur für Serbien. Was die serbische Regierung darunter versteht, hatte vor kurzem Präsident Aleksandar Vucic erläutert: Von einem Tag auf der anderen würden 5.000 Serben, die im Kosovo-Krieg kämpften, auf Antrag Pristhinas per Interpol-Haftbefehl gesucht werden, glaubt Vucic. Dies werde zu zusätzlichen Spannungen auf dem Balkan führen.

Der serbische „Fonds für humanitäres Recht“ hatte in der Vergangenheit bei den Belgrader Behörden wiederholt Strafanzeigen wegen Kriegsverbrechen im Kosovo während des Krieges erstattet. Sie bezogen sich auf damalige Befehlshaber serbischer Militäreinheiten. In den vergangenen Jahren wurde in Serbien allerdings keine Anklage in jenem Zusammenhang erhoben.

Der Kosovo, der nach dem Krieg jahrelang von der UNO verwaltet wurde und 2008 seine Unabhängigkeit verkündete, wollte schon 2010 und erneut 2015 Interpol-Mitglied werden. Wegen fehlender Unterstützung hatte Prishtina im September 2017 den Beitrittsantrag zurückgezogen. Serbien erkennt die Unabhängigkeit seiner früheren Provinz Kosovo nach wie vor nicht an.




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