Letztes Update am Mo, 05.11.2018 13:22

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Iran-Sanktionen - Experte: Iraner wollen Regimewechsel von innen



Wien (APA) - Dass die USA durch ihr hartes Vorgehen gegen den Iran einen Regimewechsel bewirken wollen - so lautet zumindest der Vorwurf Teherans - könnte nach Ansicht des deutschen Iran-Experten Cornelius Adebahr von der deutschen Gesellschaft für auswärtige Politik in Berlin „genau das Gegenteil bewirken“. Den Druck von außen würden viele Iraner als negativ erleben, so Adebahr am Montag im Ö1-Mittagsjournal.

Viele Menschen im Iran würden ihre Regierung „loswerden wollen, aber wollen nicht, dass das auf äußeren Druck erfolgt“, erklärte Adebahr. Die Iraner wollten die Politik selber verändern und nicht von den Amerikanern „diktieren lassen“. Druck von außen könne deshalb auch genau das Gegenteil von dem, was die USA möglicherweise wollen - einen Regimewechsel - bewirken. Washington bestreitet bisher allerdings, einen solchen im Sinn zu haben und spricht stattdessen davon, dass es einen „Wechsel im Verhalten“ der iranischen Führung durchsetzen wolle.

Dass als Datum für das Inkrafttreten der Wirtschaftssanktionen der Tag vor den US-Kongresswahlen gewählt wurde, kommt für Adebahr „nicht zufällig“, auch wenn US-Präsident Donald Trump derzeit mehr Kapital aus anderen Themen - wie etwa der Migrationsbewegung aus Mittelamerika - schlagen würde. Der Iran sei nur eines von mehreren Wahlkampfthemen.

Dass die EU einen eigenen Mechanismus einrichten will, der Zahlungen für iranische Öl-Exporte vereinfachen soll, sieht Adebahr positiv. Es sei ein „wichtiges Vehikel“, an dem die Europäer hier arbeiteten, eine „politische Symbolik“, die den Anspruch der EU unterstreiche, das Atomabkommen mit dem Iran aufrechterhalten zu wollen. Die USA hatten das 2015 in Wien ausverhandelte Abkommen im Mai einseitig aufgekündigt.




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