Letztes Update am Mo, 05.11.2018 14:20

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


1918/2018 - Europa erinnert an Ende des Ersten Weltkriegs



Rom/Paris (APA/KAP/KNA) - Mit ersten Gedenkveranstaltungen haben Politiker und Kirchen in Europa am Wochenende an das Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren erinnert. In den kommenden Tagen sind weitere Veranstaltungen und Aktionen geplant.

In Italien besuchte Präsident Sergio Mattarella am Sonntag das größtem Kriegerehrenmal des Landes, die Gedenkstätte Redipuglia bei Gorizia (Görz), wo die Gebeine von etwa 100.000 Gefallenen ruhen. Zwar endeten die Kämpfe offiziell erst am 11. November. Italien knüpft sein Gedenken jedoch an den Waffenstillstand mit Österreich-Ungarn am 3. November 1918. Im Jahr darauf wurde der 4. November zum Tag der Nationalen Einheit und der Streitkräfte erklärt.

In Polen veröffentlichten die katholischen Bischöfe des Landes am Sonntag einen Hirtenbrief zur Erinnerung an die wieder erlangte Unabhängigkeit des Landes vor 100 Jahren. Der Tag fällt mit dem Ende des Ersten Weltkriegs am 11. November zusammen. Nach 123 Jahren Fremdherrschaft sei Polen nicht allein durch bewaffnete Kämpfe und politische und diplomatische Bemühungen unabhängig geworden, „sondern vor allem durch die Liebe zu Gott und den Nächsten“, heißt es in dem Schreiben.

Am kommenden Sonntag wird Kardinal Kazimierz Nycz im Warschauer „Tempel der Göttlichen Vorsehung“ eine Dankmesse feiern. Zu ihr wird auch Staatspräsident Andrzej Duda erwartet. Schon am Samstagnachmittag wird es einen ökumenischen Dankgottesdienst in einer lutherischen Kirche in Warschau geben, an dem auch der Vorsitzende der katholischen Polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Stanislaw Gadecki, teilnimmt.

In Frankreich begann Präsident Emmanuel Macron am Sonntag eine Rundreise zu wichtigen Erinnerungsorten, darunter nach Verdun. Zur zentralen Gedenkfeier in Paris am kommenden Sonntag wird unter anderen auch Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet. Im Wald von Compiegne nordöstlich von Paris werden Macron und Merkel gemeinsam der Ereignisse vor 100 Jahren gedenken. Es ist das erste Mal, dass die Spitzen der einstmals verfeindeten Staaten gemeinsam diesen hoch symbolischen Ort besuchen. Merkel und Macron wollen dort eine deutsch-französische Gedenkplakette enthüllen.

Die Wald-Lichtung von Rethondes machte gleich zweimal Geschichte: Am 11. November 1918 unterzeichneten die Deutschen dort mit den Alliierten den Waffenstillstand. Nach dem deutschen Einmarsch in Frankreich 1940 überwachte Adolf Hitler dann dort persönlich am 22. Juni die Kapitulation der Franzosen. Dafür ließ er den Eisenbahnwaggon, in dem der alliierte Oberkommandant Marschall Ferdinand Foch 1918 den Deutschen die Friedensbedingungen überbracht hatte, wieder auf die Lichtung schaffen. Merkel und Macron werden im Rahmen der gemeinsamen Zeremonie den Nachbau des Waggons besichtigen. Der historische Waggon wurde von den Nazis nach Deutschland gebracht und im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Im belgischen Ypern wird an diesem 11. November die seit 1929 in Erinnerung an die Gefallenen des Krieges täglich gepflegte Zeremonie des „Last Post“ zweimal vollzogen: Einmal um 11.00 Uhr, als der Waffenstillstand vor 100 Jahren in Kraft trat, dann wie gewöhnlich um 20 Uhr. Beim zweiten „Zapfenstreich“ will auch der belgische König Philippe zugegen sein.

Das Auswärtige Amt in Berlin rief unterdessen dazu auf, am 11. November mit dem Läuten von Glocken an das Ende des Ersten Weltkriegs zu erinnern. Damit solle um 13.30 Uhr Mitteleuropäischer Zeit ein „starkes Zeichen für Frieden und Versöhnung“ gesendet werden.

Die Initiative für die weltweite Aktion ging laut deutschem Außenministerium von Großbritannien aus. Am 11. November 1918 läuteten Menschen in vielen Ländern aus Freude über die Nachricht des Kriegsendes spontan die Glocken.

In Großbritannien erfolgt das Glockenläuten um 12.30 Uhr Ortszeit parallel zur traditionellen Parade, mit der in London in jedem Jahr der Tag des Waffenstillstands begangen wird. Mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier werde erstmals ein deutsches Staatsoberhaupt an den Gedenkfeierlichkeiten teilnehmen, hieß es. Im Ersten Weltkrieg fielen zwischen 1914 und 1918 schätzungsweise zehn Millionen Soldaten. Hinzu kamen rund sechs Millionen Zivilisten, die an den Folgen des Krieges starben.




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