Letztes Update am Mo, 05.11.2018 21:30

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Österreichischer Buchpreis 2018 an Wisser, Debütpreis an Gamillscheg



Wien (APA) - Ein Buchpreis für „Königin der Berge“ im Land der Berge? Das passt, möchte man meinen. Und doch erfüllt eher der im Rahmen des dritten Österreichischen Buchpreises heute im Burgtheater-Kasino ebenfalls vergebene Debütpreis dieses Klischee: „Alles was glänzt“ von Marie Gamillscheg handelt nämlich von einem Berg(bau)dorf, Daniel Wissers preisgekrönter Roman dagegen vom Sterben.

„Es ist alles lächerlich, wenn man an den Tod denkt.“ Dieses berühmte Zitat aus der 1968 gehaltenen Staatspreisrede von Thomas Bernhard ließen sich die traditionellen Buchpreis-Moderatoren Dorothee Hartinger und Philipp Hauß bei der abendlichen Preisverleihung nicht entgehen. Heimat und Krankheit seien die verbindenden Themen der Shortlist-Bücher, verkündeten die beiden Burgschauspieler und geleiteten mit Thomas Bernhard-Zitaten (und Musikuntermalung durch die Gruppe Federspiel) durch den Abend, an dem die Buchempfehlungen von Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP), AK-Präsidentin Renate Anderl und Buchhandels-Hauptverbands-Präsident Benedikt Föger von Christine Nöstlinger und Ernst Hinterberger über Winston Churchill bis zu „Das kleine Ich bin ich“ reichten.

„Der Tod ist lächerlich, aber das Sterben kann etwas sehr Schwieriges und Diffiziles sein. Dieses Sterben spielt sich ab in einem normalen Alltag, und der hat seine normalen Tücken“, schilderte Wisser im APA-Interview sein Rezept, mit leichter Hand über das Thema Sterbehilfe zu schreiben. „Königin der Berge“ nennt Wissers Hauptfigur Robert Turin jene Krankheit, die ihn in der Mitte seines Lebens aus der Bahn geworfen, in den Rollstuhl gezwungen und in ein Pflegeheim gebracht hat: Multiple Sklerose. Dass der charmante Mit-Vierziger alles daran setzt, Helfer(innen) für seinen Todesplan zu gewinnen, wird auf ungewöhnlich unterhaltsame Art geschildert. „Was ich in dem Buch mache ist ja, dass ich neben diesem Sterbenswunsch den normalen Alltag beschreibe, und das ist eben der völlige Kontrast“, so Wisser zur APA.

Der 47-jährige in Klagenfurt geborene und in Wien lebende Schriftsteller und Musiker wird am 22. November in Linz auch den diesjährigen Johann-Beer-Literaturpreis erhalten. „Sie wissen nicht, bei wie vielen Preisen ich schon gesessen bin, die ich nicht bekommen habe, und Sie wissen nicht, für wie viele Preise ich schon nominiert war, wo ich nicht einmal auf die Longlist gekommen bin. Ich kenne die andere Seite wesentlich besser als diese“, wollte sich Daniel Wisser keine Glückssträhne nachsagen lassen. Ein Glücksspiel ganz anderer Art sei seine Teilnahme an der ORF-“Millionenshow“ gewesen, wo er im April 2017 ein Vielfaches seines heutigen Preisgeldes von 20.000 Euro mitnehmen durfte. „Nachdem ich Schriftsteller sein möchte und davon leben will, hat der heutige Preis schon eine andere Bedeutung.“

Mit 10.000 Euro ist dagegen der Debütpreis dotiert, den die in Berlin lebende Grazerin Marie Gamillscheg für ihren in einem kleinen, vom Bergbau geprägten (und vom steirischen Eisenerz inspirierten) Ort spielenden Roman „Alles was glänzt“ entgegennehmen durfte. „Es ist natürlich eine Überraschung, denn bei einem Debütroman denkt man den ganzen Betrieb noch gar nicht mit, weil man den ja noch nicht kennt“, sagte sie danach der APA. „Ich bin am Schreibtisch gesessen und habe mich vor allem für meine Geschichte interessiert, an der ich gearbeitet habe. Dass die am Ende nicht nur für mich, sondern anscheinend auch für andere Menschen funktioniert, ist unglaublich schön und ein großer Ansporn, weiterzumachen.“

Auf der Shortlist des Buchpreises standen auch Josef Winkler mit seiner Auseinandersetzung mit dem übermächtigen Vater in „Lass dich heimgeigen, Vater oder Den Tod ins Herz mir schreibe“, Milena Michiko Flasars „Herr Kato spielt Familie“ über einen Pensionisten, der in fremden Rollen zu sich selbst findet, Gerhard Jägers zweiter Roman „All die Nacht über uns“ zum Thema Flucht und Heinrich Steinfests vielschichtiger Roman „Die Büglerin“. Für den Debütpreis waren auch Ljuba Arnautovic („Im Verborgenen“) und David Fuchs („Bevor wir verschwinden“) nominiert. Alle heute Abend nicht ausgezeichnete Finalisten erhalten je 2.500 Euro.

Gesucht war das beste deutschsprachige belletristische, essayistische, lyrische oder dramatische Werk einer österreichischen Autorin bzw. eines österreichischen Autors. Die fünfköpfige Jury (Konstanze Fliedl, Bernhard Fetz, Jens Jessen, Evelyne Polt-Heinzl und Bettina Wagner) hat dafür insgesamt 150 Werke gesichtet, die zwischen 11. Oktober 2017 und 9. Oktober 2018 erschienen sind. Die bisherigen Österreichischen Buchpreise gingen an Friederike Mayröcker (2016) und Eva Menasse (2017).

(S E R V I C E - http://oesterreichischer-buchpreis.at/)




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