Letztes Update am Di, 06.11.2018 00:27

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


20 Jahre danach: Von rot-grünen Köchen und Kellnern



Berlin (APA/dpa) - Zwanzig Jahre sind in der Politik eine Ewigkeit. Vor zwanzig Jahren machte die erste rot-grüne Koalition im Bund gerade ihre ersten Gehversuche, Gerhard Schröder war erst ein paar Tage Bundeskanzler, Jürgen Trittin sein Umweltminister.

Wenn diese beiden auf einem Podium mit dem Titel „Das rot-grüne Projekt“ sitzen, ist klar, welche Frage kommt angesichts der aktuellen Umfragewerte. Wie war das noch einmal mit Koch und Kellner? „Der Größere ist der Koch, der Kleinere der Kellner“, hatte Schröder damals gesagt. Heute kommen die Sozialdemokraten in Umfragen auf 13, 14 Prozent, die Grünen auf mehr als 20.

„Ich glaube, im Rückblick zeigt sich, dass im Wettbewerb der Köche bei Rot-Grün die Grünen nicht so schlecht abgeschnitten haben“, stichelt Trittin am Montagabend bei der Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin. Schröder kontert cool: „Das Gasthaus ist so spärlich besetzt, dass wahrscheinlich beide nicht ganz ausgelastet sind.“

Und dann erklärt er noch, warum er den Spruch damals für nötig gehalten habe: „Die Grünen waren so eine Art Gottseibeiuns bei der Gesellschaft, bei der Presse auch. Man machte nur notgedrungen Koalitionen mit den Grünen.“ Und wenn schon, dann habe die SPD wenigstens klar machen müssen, wer das Sagen habe. Das sei ja heute überflüssig - schließlich habe keiner mehr Angst vor den Grünen.

Höchstens vielleicht die SPD, die bei den jüngsten Wahlen reichlich Wähler an die Grünen abgeben musste. In Bayern und in Hessen lagen die ehemaligen Kellner vor den Köchen. Sie sei „immer dafür, von der Konkurrenz zu lernen“, sagt SPD-Chefin Andrea Nahles, die mit der Grünen-Vorsitzenden Annalena Baerbock nach Schröder und Trittin auf dem Podium sitzt. „Fokussierung - das machen die Grünen ganz gut. Sie fokussieren sich auf bestimmte Themen. Und sie machen es auch noch fröhlich.“




Kommentieren