Letztes Update am Di, 06.11.2018 08:05

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


56. Viennale: Gaspar Noes „Climax“ als Absturz



Wien (APA) - Kein Höhepunkt, sondern ein Absturz im mehrfachen Wortsinne: Dies zeigt und ist Gaspar Noes neuer Exzess „Climax“. Nach seinem mit Sex in 3D aufsehenerregendem „Love“, legt der Argentinier eine ebenso einfache wie einfach fade Geschichte vor, die spannender klingt als sie ist: Eine Tanztruppe erlebt bei einer Party einen Horrortrip dank LSD in der Sangria. Am Mittwoch nochmals im Gartenbaukino.

Am Beginn seines eineinhalbstündigen Horrortrips - was „Climax“ auch für den Zuschauer darstellt - stehen kurze Interviewsequenzen mit den Tänzern und Tänzerinnen im VHS-Look, denen sich zu wummernden Beats die harte Choreo der Truppe anschließt. Auf diese beste Szene folgen kurze Zweiergespräche, in denen meist wenig tiefschürfend über Sex geredet wird. Damit ist die erste Dreiviertelstunde dahin.

Dann beginnt der zweite Teil, wenn die von einem lange unbekannten Mitglied mit LSD versetzte Fruchtbowle ihre unheilvolle Wirkung entfaltet. Nicht nur die Tänzer, auch die Kamera dreht vollends durch und bewegt sich minutenlang frei im Raum, während Noe als Cutter geschickt den Eindruck eines schnittfreien Fortgangs zu erwecken weiß.

Roh und dreckig kommt der in den Farbtopf getauchte, ewig zwischen den wenigen Räumlichkeiten der Anlage changierende Trip daher, der im wesentlichen aus dem Außenblick auf schreiende Akteure besteht. Das vermittelt zwar zweifelsohne den Eindruck von Authentizität. Jemanden eineinhalb Stunden beim Ausfüllen der Steuererklärung beobachten, wäre aber ebenfalls authentisch - und ähnlich interessant.

(S E R V I C E - „Climax“ am 7. November um 20.30 Uhr im Gartenbaukino. www.viennale.at/de/film/climax)




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