Letztes Update am Di, 06.11.2018 08:11

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„Der Rhythmus ist wichtig“: In der Serie „Beat“ regiert harter Stoff



London/Wien/Berlin (APA) - Zwischen kahlen Wänden, die industriellen Chic versprühen, dreht sich ein junger Mann zu einem unbarmherzigen Bass - und mit ihm viele andere. Doch steigt hier nicht nur eine Party, auch der Tod gehört zu diesem Berliner Club, der in der neuen Serie „Beat“ porträtiert wird. Ab Freitag ist die von Marco Kreuzpaintner erdachte Geschichte um Musik und Verbrechen bei Amazon Prime Video abrufbar.

Im Mittelpunkt steht dabei Robert Schlag alias „Beat“, Clubpromoter und harten Drogen keinesfalls abgeneigt. Ihm gibt Jannis Niewöhner („Maximilian“) ein abgewracktes, aber umso glaubhafteres Gesicht. Neben durchfeierten Nächten, enthemmtem Sex und dem Kater danach muss er den Laden am Laufen halten. Blöd nur, dass sich in dem alten Gemäuer auch dunkle Machenschaften abspielen und ein Clubbing recht unschön von spektakulär drapierten Leichen unterbrochen wird. Nicht nur deshalb gerät Beat in den Fokus einer internationalen Behörde, die mit ihm als Spitzel einem Verbrecherring auf die Spur kommen will.

Für Kreuzpaintner („Krabat“) spielt die Musik in den sieben Episoden eine zentrale Rolle. „Rhythmus ist insgesamt verdammt wichtig“, erklärte der bayerische Filmemacher bei einem Pressetermin in London. „Das betrifft auch die Art und Weise, wie die Leute sprechen. Es ist einfach ein weiterer Aspekt des Ganzen.“ So vermengen sich Thrillerelemente mit Partyexzess, begegnet man dunklen Figuren mit undurchsichtigen Motiven und bleibt glücklicherweise auch der Witz nicht ganz auf der Strecke. „Beat“ will viel und kann diese unterschiedlichen Elemente grundsätzlich ziemlich gut zusammenführen.

Ein Puzzleteil dafür ist sicherlich die authentische Darstellung von Club und Nachtleben. „Die Serie spielt in der Berliner Partyszene, und wir alle wissen, wie das bei den meisten Filmen oder Serien ausschaut. Der größte Fehler, der gemacht wird: Du hast eine Meute, der du zwar Musik vorspielst, aber ziemlich leise. Und dann sollen sie so tun, als würden sie feiern? Das war mein Alptraum“, betonte Kreuzpaintner. „Wir hatten richtige Partys! Es ging dem ganzen Team darum, ein echtes Gefühl für die Szene zu vermitteln. Entsprechend haben wir uns die richtigen Leute als Statisten geholt. Es gab zwar keine Drinks oder Drogen bei uns“, schmunzelte der Regisseur, „aber ich kann sagen: Es war definitiv keine langweilige Party.“

Auch die Drehorte sind vielfach „echt“, wurde doch beispielsweise im Kraftwerk gedreht, das lange Zeit als Technoclub diente und mittlerweile gemietet werden kann. „Einerseits war die Betonstruktur für die Handlung wichtig, weil die Polizei dadurch nicht abhören kann, welche Geschäfte im Inneren getätigt werden“, so Kreuzpaintner. „Andererseits steht es für das Berliner Nachtleben nach der Wiedervereinigung: Es gab all diese leer stehenden Gebäude, wodurch ein Moment der Freiheit entstand. Die Leute hatten das Gefühl: Uns gehört die Stadt! Überall gab es die Undergroundpartys. So fand die eigentlich aus Detroit stammende Technoszene eine Plattform, die bedeutend zugänglicher und günstiger für die Menschen war.“

Aber das Feiern allein hat Kreuzpaintner und Drehbuchautor Norbert Eberlein natürlich nicht gereicht. Stattdessen wird eine blutige Geschichte um Organhandel und eine mysteriöse Mordserie aufgezogen, bei der beizeiten etwas dick aufgetragen wird. Eine zentrale Rolle spielt dabei Alexander Fehling, der den Geschäftsmann Philipp Vossberg mimt. Dieser wird Teilhaber des Clubs, für den Beat arbeitet. „Bei ihm geht es meist gar nicht so sehr darum, was er tut“, so Fehling. „Er ist einfach da, schwebt gewissermaßen über der Story wie ein erhöhter Charakter. Man lernt ihn nur dadurch kennen, was er sagt.“

Und diese Dinge haben meist recht harsche Konsequenzen. Jedenfalls fällt ihm eine zentrale Rolle bei etlichen Machenschaften zu, was natürlich auch für die Polizei von Interesse ist. Das Thema des Organhandels sei Kreuzpaintner nicht zuletzt angesichts der Flüchtlingsströme der vergangenen Jahre gekommen. „Vossberg sagt ja auch in der Serie zu jemanden: ‚Du willst gar nicht wissen, woher das kommt, oder?‘ Allein die Möglichkeit, dass das passiert, ist schrecklich. Wir Europäer fressen andere Kulturen auf.“ Insofern gehe es ihm um „das große Ganze, die unterschiedlichen Lebensweisen. All diese Ablenkung, all dieses Vergnügen in unserem Leben: Jemand muss dafür den Preis bezahlen. Wir sind uns dessen nur meist nicht bewusst.“

(S E R V I C E - www.amazon.de/BEAT-Staffel-1/dp/B07HJD7CQ5)

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