Letztes Update am Di, 06.11.2018 08:14

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kriselndes Paket-Geschäft ließ Gewinn der Deutschen Post einbrechen



Bonn (APA/Reuters) - Verluste im Brief- und Paketgeschäft belasten die Deutsche Post. Bei einem leicht gestiegenen Umsatz von 14,85 Mrd. Euro brach der operative Ertrag (Ebit) des Konzerns im dritten Quartal um 54,9 Prozent auf 376 Mio. Euro ein, wie die Post am Dienstag in Bonn mitteilte.

Die von Post-Chef Frank Appel eingeleitete Sanierung der Paket- und Briefsparte kostete dabei im Quartal 392 Mio. Euro, insgesamt soll sie mit einer halben Milliarde Euro zu Buche schlagen. Appel will damit die Kosten drücken und die Produktivität steigern, unter anderem werden verbeamtete Beschäftigte in den Vorruhestand geschickt.

Der Gewinnrückgang fiel aber weniger drastisch aus als von Experten erwartet: Analysten hatten für das Quartal bei einem Umsatz von 14,77 Mrd. Euro mit einem Ebit von nur 339 Mio. Euro gerechnet.

Der Post-Chef sieht den Konzern bei der Sanierung des Paket- und Briefgeschäfts im Plan: Die Deutsche Post komme bei den „Maßnahmen zur Verbesserung der Produktivität und der Kostenstruktur zügig voran“. „Die Effekte werden sich schon im kommenden Jahr deutlich zeigen“, versprach Appel.

Getrieben durch den rasant wachsenden Online-Handel war die Post im Paket-Geschäft rasch gewachsen - der Konzern hatte aber die Kosten aus den Augen verloren. Erst im Juni hatte der Konzern deshalb seine operative Gewinnprognose um fast ein Viertel auf rund 3,2 Mrd Euro zusammenstreichen müssen. Diesen Ausblick bekräftigte er nun, ebenso wie das Ziel eines operativen Gewinns von über 5 Mrd. Euro im Jahr 2020.

„Im Paketgeschäft sind wir in den vergangenen Jahren deutlich schneller gewachsen als der Wettbewerb, alles nach der Devise: ‚Wachstum ist super, der Rest wird sich finden‘“, hatte Post-Chef Appel in einem Mitarbeiter-Magazin kritisiert. Der für die Sparte zuständige Vorstand Jürgen Gerdes hatte seinen Hut nehmen müssen, Appel leitet das Geschäft nun selbst und muss es in die Spur bringen. Denn dies ist eine Voraussetzung dafür, dass die Post das Gewinnziel 2020 von mindestens 5 Mrd. Euro erreicht. Appel will dazu die Kosten drücken, die Sparte effizienter machen - und auch die Preise anheben.

2019 sollen höhere Preise für Geschäftskunden bei Paketen und Express-Sendungen greifen. Auch bei Briefen für Privatkunden wollte Appel zum Jahreswechsel an der Preisschraube drehen. Doch da hat ihm die deutsche Bundesnetzagentur zunächst einen Strich durch die Rechnung gemacht. Der Regulierer will erst über ein höheres Briefporto für die Verbraucher entscheiden, wenn die Post detailliert die Auswirkungen ihres Sanierungsprogramms dargelegt hat. Appel muss sich also noch gedulden.

Die Post-Aktie hat massiv an Wert verloren, Ende Oktober dümpelte sie bei einem Jahrestief von 27,04 Euro. Im vergangenen Dezember waren die Anteilsscheine noch über 41 Euro wert.

~ ISIN DE0005552004 WEB http://www.deutschepost.de ~ APA060 2018-11-06/08:10




Kommentieren