Letztes Update am Di, 06.11.2018 12:50

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Michael Crichtons erster Ausflug zu den Sauriern: „Dragon Teeth“



Berlin (APA) - Mit „Jurassic Park“ schrieb Michael Crichton einen enorm erfolgreichen Roman über Dinosaurier. Gleich mehrere Hollywoodfilme wurden davon inspiriert. „Jurassic Park“ war nicht Crichtons erster Saurier-Roman. Das war „Dragon Teeth“, nun auf Deutsch erschienen.

Dinosaurier haben die Fantasie der Menschen beflügelt, seit bekannt ist, dass vor Millionen von Jahren riesige Tiere die Erde bevölkerten. Gewaltige Kräfte konnten diesen Tieren zugeschrieben werden, von denen nur versteinerte Knochen übrig geblieben sind. Alles schien diesen Tieren möglich zu sein. Besonders in fantastischen Romanen und Filmen, in denen Dinosaurier und Menschen aufeinander treffen, ließen sich Urängste der Menschen äußerst dramatisch und effektiv in spannende Geschichten umsetzen.

Der Amerikaner Michael Crichton (1942-2008) schuf 1990 mit seinem Erfolgsroman „Jurassic Park“ einen modernen Klassiker des Genres. Die Idee, dass es möglich sein könnte, mit neuester Technik Dinosaurier in der Gegenwart wieder zum Leben zu erwecken und zur Gefahr für Menschen werden zu lassen, weckte allgemein Faszination. Für Michael Crichton war dies ein ideales Thema, hatte er sich doch darauf spezialisiert, in seinen Romanen alltägliche Situationen dadurch zu dramatisieren, dass eine moderne technische Errungenschaft außer Kontrolle gerät und zur Gefahr für die Menschen wird. Sein Roman „Beute“ aus dem Jahr 2002, in dem Mikrocomputer sich von ihren Programmierern unabhängig machen und eine eigenständige Intelligenz und Organisation entwickeln.

„Jurassic Park“ war mit Abstand Crichtons erfolgreichster Roman, aber es war nicht sein einziger, in dem er sich mit dem Thema Dinosaurier befasste. Etwa in der Mitte der 70er Jahre schrieb er einen Roman, der erst nach seinem Tod veröffentlicht wurde. „Dragon Teeth“ geht das Thema Saurier von einer ganz anderen Richtung her an, aber die Erinnerung an den Erfolgsroman bestimmt natürlich auch die Lektüre des frühen Romans ganz erheblich mit.

„Dragon Teeth“ spielt im Jahr 1876. In einer bunten Mischung aus Genres erzählt der Roman die Geschichte des Studenten William Johnson, der wegen einer Wette einige Wochen im damals noch weitgehend unerforschten Westen der USA verbringen muss. Er schließt sich der einfachen Organisation wegen einer wissenschaftlichen Expedition an, die in den Bergen Wyomings nach Fossilien suchen soll.

Über weite Passagen bietet „Dragon Teeth“ eine Reisebeschreibung mit teilweise recht ausführlichen Hintergrundinformationen. Dazu passt, dass zahlreiche im Roman auftauchende Personen reale Vorbilder haben, so etwa die konkurrierenden Forscher Marsh und Cope.

Spannend wird es, als die Männer dann tatsächlich versteinerte Überreste von Dinosauriern finden. Für Crichton bieten diese Funde nicht nur die Gelegenheit, über die Größe und das Aussehen der Saurier zu spekulieren. Er kann die Expeditionsteilnehmer auch darüber philosophieren lassen, was die Funde Millionen Jahre alter Knochen für Menschen bedeutete, denen die Kirche gesagt hatte, die Welt sei nur 6.000 Jahre alt.

Als es dann darum geht, die Fundstücke, darunter einige versteinerte Saurierzähne, sicher zu der Universität an der Ostküste zu bringen, die die Expedition losgeschickt hatte, nimmt die Handlung deutlich an Fahrt auf.

William Johnson wird von den meisten Expeditionsteilnehmern getrennt und ist auf einmal alleine verantwortlich für zehn Kisten voller versteinerter Knochen. „Dragon Teeth“ wird nun zum klassischen Western. Der Transport wird von Indianern verfolgt und kann sich gerade noch in eine Goldgräberstadt retten. Dort muss sich Johnson gegen Gangsterbanden wehren, freundet sich mit dem Revolverhelden Wyatt Earp an und liefert sich sogar ein Duell mit einem Gauner.

Gleichzeitig baut Crichton einige überraschende komödiantische Elemente in die Erzählung ein, die die Dramatik der Situation abmildern, zugleich aber auch der Handlung zu einem logischen Abschluss verhelfen.

Michael Crichton hat „Dragon Teeth“ zu seinen Lebzeiten nicht veröffentlicht. Ihm war wohl bewusst, dass die Geschichte noch einiger Überarbeitung bedurft hätte, vielleicht aber auch nie den Qualitätsanforderungen des Schriftstellers genügt hätte. In seiner gegenwärtigen Form bietet „Dragon Teeth“ einen Blick auf den Werdegang eines Schriftstellers, der einige Jahre später zum Erfolgsautor werden sollte.

(S E R V I C E - Michael Crichton: Dragon Teeth. Wie alles begann. Blessing Verlag, 318 Seiten, 22,70 Euro, ISBN 978-3-89667-623-8)




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