Letztes Update am Di, 06.11.2018 13:11

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Warum in den USA so wenige Menschen zur Wahl gehen



Washington (APA/dpa) - Schätzungen zufolge dürften an diesem Dienstag mehr Amerikaner zur Wahl gehen als bei früheren US-Zwischenwahlen. Das Umfrageinstitut ElectProject rechnet mit einer Wahlbeteiligung von knapp 45 Prozent. Bei den Midterms im Jahr 2014 hatten zur Halbzeit der zweiten Amtsperiode von Präsident Barack Obama nur 36 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben.

In diesem Jahr haben mehr als 30 Millionen Menschen bereits vor dem Wahltag über ihre Kandidaten abgestimmt - etwa drei Millionen mehr als vor vier Jahren. Die vorzeitige Stimmabgabe ist in 37 der 50 Bundesstaaten und in der US-Hauptstadt Washington DC in Wahllokalen oder per Briefwahl möglich.

Dennoch: Die Mehrheit der Wahlberechtigten in den USA macht von ihrem Stimmrecht bei den Zwischenwahlen keinen Gebrauch. Die Wahlbeteiligung lag in den vergangenen Jahren im Schnitt bei gerade mal 40 Prozent. Bei Präsidentschaftswahlen waren es rund 60 Prozent. Im internationalen Vergleich ist die Wahlbeteiligung in den USA gering: OECD-Länder weisen bei Wahlen auf nationaler Ebene im Schnitt Wahlbeteiligungen von rund 70 Prozent auf.

Es gibt verschiedene Gründe, warum in den USA so wenige Menschen zur Wahl gehen. Zum einen den Wahltag selbst: Abgestimmt wird traditionell an einem Dienstag. Nicht nur für Maeve Fleming, Biologin aus Virginia, ist das problematisch - sie ist 24 Jahre alt und hat noch nie gewählt: „Ich bekomme keine bezahlte Freistellung von der Arbeit. Die Wahlen finden in öffentlichen Einrichtungen statt, dort muss ich erst einmal hinfahren und dann sind die Schlangen lang. Das kann ich mir einfach nicht leisten.“ Vorab die Stimme abzugeben, ist ihr wiederum zu kompliziert.

Anders als in Deutschland kann in den USA auch nicht einfach jeder Wahlberechtigte mit dem Ausweis zum nächsten Wahllokal gehen. Es gibt Wählerverzeichnisse, bei denen die - je nach Bundesstaat unterschiedliche - Eintragung mitunter schwierig ist. Vielen ist das Prozedere zu aufwendig - insbesondere dann, wenn sie nicht in dem Staat leben, in dem sie wahlberechtigt sind, oder wenn sie sich wenig bis gar nicht für Politik interessieren.

Eine generelle Ablehnung der Politiker in Washington ist für viele Menschen ein weiterer Grund, nicht zu wählen, ebenso wie die Polarisierung zwischen den beiden großen Parteien. Ihre Eltern seien überzeugte Republikaner, ihre Freunde Demokraten, sagt Fleming. Die Kluft zwischen den Positionen sei riesig, „und ich bin nicht bereit, mich auf eine der beiden Seiten zu stellen“.




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