Letztes Update am Di, 06.11.2018 14:07

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Flüchtlinge - UNHCR: Lage in Bosnien ruhig



Sarajevo (APA) - Zwei Wochen nach Zusammenstößen zwischen Asylsuchenden und der Polizei in der bosnisch-kroatischen Grenzregion hat sich die Situation dort wieder beruhigt. Überhaupt sei die Lage in Bosnien-Herzegowina entgegen mancher Medienberichte „im Großen und Ganzen ruhig“, wie Neven Crvenkovic, Sprecher des UNO-Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR) für die Region, am Dienstag gegenüber der APA erklärte.

Derzeit halten sich nach Schätzungen des UNHCR bis zu 6.000 Migranten und Flüchtlinge in Bosnien auf. Seit Jahresbeginn wurden in dem Balkanland über 21.000 Ankünfte registriert, ein Großteil dieser Personen ist aber bereits weiter Richtung Norden gereist. Auch am Grenzübergang Velika Kladusa-Maljevac, an dem 250 bis 300 Migranten versucht hatten, die Grenze gewaltsam zu überqueren, sei die Lage ruhig, es gebe dort keine Ansammlungen von Menschen mehr, sagt Crvenkovic.

Einige der Flüchtlinge hätten zwar auch danach noch am Grenzübergang ausgeharrt - obwohl dieser kurzzeitig geschlossen wurde. Nach einigen Tagen seien diese aber von den bosnischen Behörden in Notunterkünfte gebracht worden, schilderte der UNHCR-Experte.

Auch wenn Bosnien die Lage derzeit gut unter Kontrolle habe - bei den Flüchtlingsunterkünften herrsche ein akuter Mangel. Derzeit gibt es nach Crvenkovics Worten offiziell nicht mehr als 2.000 Plätze. „Dabei hatten wir noch Glück, weil das Wetter ziemlich warm ist. Wenn es wirklich kalt wird und keine entsprechenden Maßnahmen getroffen werden, könnte es sehr kritisch werden.“

Dass es sich bei jenen Asylsuchenden, die sich derzeit in Bosnien aufhalten, fast ausschließlich um Männer handelt - wie etwa die „Kronen Zeitung“ berichtete - konnte Crvenkovic nicht bestätigen. Auch einige hundert Familien mit Kindern seien im Land registriert. Auch dass viele gewaltbereit und „fast alle mit Messern ausgestattet“ seien, entspricht laut dem UNHCR-Sprecher nicht den Tatsachen. So seien etwa in der Grenzregion in den ersten neun Monaten des Jahres weniger als fünf Prozent aller Straftaten von Flüchtlingen und Migranten verübt worden.

Von den starken Flüchtlingsbewegungen in den Jahren 2015/2016 war Bosnien-Herzegowina nur peripher betroffen. Seit die Länder entlang der damaligen Balkanroute ihre Grenzen jedoch strenger kontrollieren, hat sich die Route verlagert. Damit stieg Zahl der Ankünfte. Im Gesamtjahr 2017 wurden in Bosnien 755 Ankünfte registriert.

~ WEB http://www.unhcr.org ~ APA304 2018-11-06/14:04




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