Letztes Update am Di, 06.11.2018 14:37

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Telekom/Valora-Prozess - Christgewerkschafter um seine Zulage besorgt



Wien (APA) - Im Korruptionsprozess rund um „Schwarze Kassen“ bei der Telekom Austria in den Jahren 2004 bis 2008 wurde heute von Richterin Marion Hohenecker am ersten Verhandlungstag der erste der fünf Angeklagten befragt. Der ehemalige Spitzenvertreter der Christgewerkschaft (FCG), der eine Diversion anstrebt, erklärte, dass er einen Fehler gemacht hatte, Geld über geheime Kanäle anzunehmen.

Danach führte der Angeklagte wortreich aus, dass er sich als Spitzenvertreter der ÖVP-nahen Christgewerkschaft gegenüber den Kollegen von der SPÖ-nahen FSG in der Telekom Austria benachteiligt und schlechter bezahlt gefühlt habe. Er habe sich dann an den mitangeklagten Telekom-Vorstand Rudolf Fischer gewandt. Woraufhin Hohenecker wissen wollte, ob er sich in seinen eigenen Agenden oder in den Agenden seiner Fraktion an Fischer wandte. Daraufhin stellte der Angeklagte klar, dass es ihm lediglich um seine eigene Bezahlung gegangen sei. Er habe damals bei der Telekom rund 3.700 Euro netto verdient und einen Dienstwagen gehabt.

Er und seine Fraktion seien in der teilstaatlichen Telekom immer benachteiligt worden, während einem Vertreter der FSG sogar sein Büro als Stadtrat eingerichtet worden wäre und Einladungen und Tombolaspenden für Bälle der FSG ausgerichtet wurden, beschrieb der Angeklagte, der mittlerweile in Pension ist.

Der Angeklagte brachte ausführlich vor, dass ihm seiner Meinung nach eine Leistungszulage zugestanden wäre, die ihm monatlich ca. 800 Euro netto mehr Gehalt gebracht hätte. Auf sein Vorbringen sei ihm aber beschieden worden, dass diese Regelung aufgrund eines Rechtsgutachtens abgeschafft worden sei. Er habe das als ungerecht empfunden, denn sein Vorgänger in der Position habe die Zulage noch erhalten.

Der Hauptangeklagte Fischer habe dem Christgewerkschafter dann im Jahr 2007 mitgeteilt, er könne Rechnungen über die Firma Valora des mitangeklagten Ex-Lobbyisten Peter Hochegger stellen. Er habe die Valora nicht gekannt, aber gewusst, dass Hochegger in der Telekom Austria bzw. ihrer Mobilfunktochter Mobilkom sehr gut vernetzt ist. Auf Nachfrage der Richterin räumte der Christgewerkschafter ein, dass die Telekom als eigentlicher Zahler seiner Zuzahlung nicht aufscheinen sollte. Es sei aber ein „gerechter Ausgleich“ für seine Schlechterstellung gegenüber den Sozialdemokratischen Gewerkschaftern der FSG gewesen. Er habe einfach seinen „Verlust“ durch die Nichtgewährung der Leistungszulage ausgerechnet.

Für die erste Rechnung über „Beratung über sozialrechtliche Fragen“ an die Valora habe er keine Leistung erbracht, sagte der Angeklagte heute zur Richterin. Allerdings habe er für die Telekom immer wieder versucht, bei ÖVP-Politikern zu intervenieren. Dies sei auch eine gewisse Leistung gewesen.

Er hatte zwei Rechnungen für 24.000 Euro und drei Rechnungen für 30.000 Euro an die Valora gestellt, insgesamt also 138.000 Euro.

~ ISIN AT0000720008 WEB https://www.a1.net

http://www.telekomaustria.com ~ APA321 2018-11-06/14:34




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