Letztes Update am Di, 06.11.2018 15:45

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Freispruch für slowenischen Arzt in Sterbehilfe-Prozess



Ljubljana (APA) - In Slowenien ist ein Krankenhausarzt in einem Prozess um Sterbehilfe freigesprochen worden. Das erstinstanzliche Verfahren wurde am Dienstag nach fast dreijähriger Dauer beendet. Dem Neurologen an der Uniklinik in Ljubljana war die Tötung von vier moribunden Patienten angelastet worden, berichteten die Medien.

Die Staatsanwaltschaft, die für den Arzt 20 Jahre Haft gefordert hatte, kündigte laut Berufung gegen das damit nicht rechtskräftige Urteil an. In dem Prozess war auch der österreichische Sachverständige Wolfgang Kröll engagiert.

Der erste öffentlich bekannt gewordene Fall von angeblicher medizinischer Sterbehilfe im Nachbarland machte bereits im Jahr 2015 Schlagzeilen und entfachte eine Debatte über Euthanasie. Im Jänner 2015 war bekannt geworden, dass der Arzt im Jahr davor einen 83-jährigen todkranken Patienten, der nach einem schweren Schlaganfall ohne Bewusstsein war, mit einer Medikamentenmischung getötet haben soll. Nachweisen konnte man das nicht, weil wegen der Einäscherung des Verstorbenen keine Obduktion mehr möglich war. Später wurde der Verdacht auf insgesamt sieben Todesfälle, die sich zwischen 2012 und 2014 ereignet hatten, ausgeweitet.

Ursprünglich wurde der Neurologe wegen sechsfachen Mordes angeklagt, darüber hinaus lautete die Anklage auch auf Medikamentenmissbrauch, illegale Videoaufzeichnung von sterbenden Patienten und Fälschung von eigenen Krankenmeldungen. Später wurde die Anklage in Bezug auf zwei Patienten wegen mangelnden Beweisen fallen gelassen, in den restlichen vier Fällen wurde die Mordanklage auf Tötung vermindert. Der Arzt hatte stets seine Schuldlosigkeit beteuert.

In dem Verfahren wurden mehr als 100 Zeugen vernommen und mehrere psychologische Gutachten angefertigt, um festzustellen, ob der Arzt einen „Gott-Komplex“ hat. Der österreichische Sachverständige Wolfgang Kroll, der eine wichtige Rolle in dem Verfahren spielte, konnte laut Medienberichten nicht bestätigen, dass der Neurologe für den Tod seiner Patienten verantwortlich war. Das Gericht stützte sich bei dem Freispruch im großen Maße auf Krölls Expertise. Der Richter hob außerdem hervor, dass sich bei keinem der Verstorbenen eine eindeutige Todesursache feststellen ließ, weil nach dem Ableben der Patienten jeweils auf eine Obduktion verzichtet wurde und die Leichen kremiert wurden.




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