Letztes Update am Di, 06.11.2018 18:25

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Corporate-Governance-Kodex in Deutschland soll relevanter werden



München (APA/Reuters) - Die Richtlinien für gute Unternehmensführung in Deutschland sollen nach einer Reform bei großen Investoren wieder mehr Beachtung finden. Der Corporate-Governance-Kodex sieht künftig präzisere Vorgaben etwa für Vorstandsgehälter und die Wahl von Aufsichtsräten vor.

„Die Investoren begrüßen das sehr. Sie haben uns gesagt, dass sie sich dann zurückhalten würden mit eigenen Vorstellungen“, sagte der neue Vorsitzende der Corporate-Governance-Kommission, Rolf Nonnenmacher, am Dienstag bei der Vorstellung des komplett überarbeiteten Kodex. Internationale Fondsgesellschaften und deren Stimmrechtsberater hatten zuletzt häufig auf Aktionärsversammlungen börsennotierter Unternehmen Vergütungsregeln oder Aufsichtsräte durchfallen lassen, obwohl sich die Unternehmen an den Kodex gehalten hatten.

Verbindlich ist das Regelwerk nicht, auch wenn es auf eine Initiative des Bundesjustizministeriums zurückgeht. „Ziel der Kodexreform ist es, dass der Kodex wieder stärker den Anspruch erfüllt, Standards zu setzen, auf die es aus der Sicht möglichst vieler Stakeholder ankommt“, sagte Nonnenmacher, der ehemalige Deutschland-Chef der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. „Sonst fallen wir in die Irrelevanz.“ Der Corporate-Governance-Kodex war in 16 Jahren zwölfmal überarbeitet worden. In der neuen Fassung, die im April 2019 in Kraft treten soll, ist er um ein Drittel kürzer geworden - unter anderem durch die Streichung von Verweisen auf Gesetze. Nonnenmacher hofft, dass die Regeln nun nicht mehr so oft überarbeitet werden müssen. „Das muss die Qualität haben, dass es ein paar Jahre hält.“

Für die umstrittenen Vorstandsvergütungen verlangt der Kodex nun ein „allgemein verständliches System“, Aufsichtsräte sollen dabei auch auf die „gesellschaftliche Akzeptanz“ der Gehälter achten. Es müsse klar sein, wie viel ein Vorstand alles in allem verdiene, wenn er seine Ziele voll erreiche - und was er dafür leisten müsse. Kurzfristige Boni sollen in bar, langfristige in Aktien ausgezahlt werden, die der Manager für mindestens vier Jahre halten soll. Ein Verhältnis von 30 Prozent Fixgehalt, 30 Prozent Kurzfrist-Bonus und 40 Prozent langfristiger variabler Vergütung wäre „ein ganz vernünftiger Split“, so Nonnenmacher.

In der Öffentlichkeit sei zuletzt der Eindruck entstanden, dass die Vorstandsvergütung aufgrund immer komplexerer Systeme immer weniger mit dem Unternehmenserfolg zu tun habe, sagte Kommissionsmitglied Klaus-Peter Naumann, der Vorstandssprecher des Wirtschaftsprüferverbandes IDW ist.

Strenger wird der Kodex auch bei den Aufsichtsräten: Aktive Manager sollen bei konzernfremden Unternehmen nebenbei maximal zwei Mandate übernehmen, die Position eines Aufsichtsratschefs verträgt sich demnach gar nicht mit einem Managerposten. Ehemalige Manager oder hauptberufliche Aufsichtsräte sollen maximal fünf Gremien angehören. Zudem sollen die Aktionärsvertreter in Aufsichtsräten nur noch für drei statt für fünf Jahre gewählt werden. Um die Transparenz zu erhöhen, will die Kommission die Unternehmen künftig dazu verpflichten, ausdrücklich zu erklären, wie sie den Kodex einhalten. Bisher müssen sie nur begründen, wenn sie davon abweichen.




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