Letztes Update am Di, 06.11.2018 22:37

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Geschworenen-Kandidat bittet El Chapo um Autogramm



New York (APA/AFP) - Im Prozess gegen den mexikanischen Drogenboss Joaquin „El Chapo“ Guzman in New York hat ein Geschworenen-Kandidat für Wirbel gesorgt. Im Zuge der Auswahl der Geschworenen wurde am Dienstag bekannt, dass der junge Mann um ein Autogramm des berüchtigten Angeklagten gebeten hatte.

Der im kolumbianischen Medellin geborene, aber seit 20 Jahren in New York lebende Mann hatte über einen Vollzugsbeamten um das Autogramm gebeten. Als der Richter ihn am Dienstag nach dem Grund fragte, sagte er: „Weil ich ein bisschen Fan bin.“ Während Guzman auf der Anklagebank grinste, wurde der Kandidat von der Liste gestrichen.

Am Montag hatte der Mann bereits verraten, dass er Krimiserien liebe und sich aufgrund seiner Herkunft bestens mit dem Thema Drogenhandel auskenne - sein Urteil als Geschworener werde dies aber nicht beeinflussen, versicherte er. Medellin war unter dem 1993 gestorbenen Drogenboss Pablo Escobar Zentrum des weltweiten Kokain-Handels.

Die zwölf Geschworenen und ihre sechs Ersatzkandidaten sollen bis Freitag ausgewählt werden. Sie sollen über die Schuld des langjährigen Chefs des Sinaloa-Kartells befinden. Aus Sicherheitsgründen findet das Auswahlverfahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Zur Auswahl standen rund hundert Kandidaten. Am Montag wurden bereits 17 von ihnen aussortiert - darunter zwei Frauen, die Sorgen vor möglichen Vergeltungsmaßnahmen des Drogenkartells geäußert hatten. El Chapo war der meistgesuchte Mann in den USA nach dem Terroristen Osama bin Laden. Nach zweimaliger Flucht aus der Haft in Mexiko wurde er im Jänner 2017 an die USA ausgeliefert.

In dem auf vier Monate angesetzten Mammutverfahren in New York muss sich der 61-Jährige unter anderem wegen Drogenschmuggels, Waffenhandels und Geldwäsche verantworten. Laut Anklage soll das mexikanische Sinaloa-Kartell unter seiner Führung zwischen 1989 und 2014 fast 155 Tonnen Kokain und große Mengen andere Drogen in die USA geschmuggelt haben. Guzman droht lebenslange Haft in einem Hochsicherheitsgefängnis.




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