Letztes Update am Mi, 07.11.2018 08:04

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


56. Viennale: Cool, cooler, der Abschlussfilm „El Angel“



Wien (APA) - Am Ende werden es elf Morde sein, wegen derer Carlos Robledo Puch verurteilt wird - als gerade einmal 20-Jähriger. Mit Engelslocken und Schmollmund erlangte der Argentinier Anfang der 1970er in seiner Heimat Berühmtheit. Diese Motivik aus Unschuldsgesicht und schuldhaftem Handeln inspirierte Luis Ortega zu seiner Gangsterbio „El Angel“, die am Donnerstag als Abschlussfilm der Viennale dient.

Am Beginn folgt die Kamera dem Teenager Carlos (Lorenzo Ferro), der beiläufig in fremde Villen einbricht und sich dort am Whiskey gütlich hält - und auch schon einmal das eine oder andere Motorrad „ausleiht“. Carlos nimmt sich das, was er will - was auch für seinen Mitschüler Ramon (Chino Darin) gilt, der ihn zunächst brüsk zurückstößt.

Carlos lässt sich aber nicht abweisen. In lakonischer Lässigkeit erreicht er sein Ziel und lernt Ramons Halbweltvater kennen. Die drei bilden alsbald eine Bande, in welcher der emotionslose Carlos dominiert. Und so lassen die ersten Leichen nicht lange auf sich warten.

Luis Ortegas Verarbeitung dieser jugendlichen Nemesisgeschichte ist vor allem eines: cool. Im farbsatten Stil der 1970er gehalten, ist „El Angel“ jedoch eine Hommage, keine Karikatur. Ohne Tarantino‘sche Ironisierung durchströmt eine sexuell aufgeladen Stimmung das Geschehen, breitet sich eine schwüle Atmosphäre über die lasziven Szenen, auch wenn letztlich nichts passiert.

Bei aller Homoerotik verweigert der 38-jährige Ortega in seinem für den Auslandsoscar eingereichten Werk jedoch die psychologische Deutung, lässt seine Hauptfigur kryptisch in ihrer fehlenden Gemütsregung. Das von Jungschauspieler Lorenzo Ferro verkörperte, tödliche Engelsgesicht bleibt emotionslos - ist weder harter Killer, noch leidenschaftlicher Gewalttäter.

Dennoch ist „El Angel“ der Heroisierung abhold, lässt auch den Eltern des Serienmörders Raum zur Entfaltung, ist nüchtern, undramatisch, ohne zynisch zu sein. Einzig die eingestreute Musik von Moondog streut im Fortgang des Geschehens Gefühle ein. Und erst am Ende fließen bei Carlos Tränen.

(S E R V I C E - „El Angel“ am 8. November um 19.30 Uhr und 23 Uhr im Gartenbaukino. www.viennale.at/de/film/angel)




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