Letztes Update am Mi, 07.11.2018 08:11

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Lächelnd in Flammen aufgehen: „Heavy Listening“ von Farce - Popnews



Wien (APA) - *

In Flammen aufgehen und dabei lächeln? Das kann Farce: Unter diesem musikalischen Alias hat Veronika J. König kürzlich das Album „Heavy Listening“ vorgelegt, dessen feuriges Cover gut darauf einstimmt, was die zwölf Stücke zu bieten haben. Die in Wien lebende Künstlerin macht nämlich eine kleine Rundreise durch das weite Feld des zeitgenössischen Pop, ohne sich auf einen bestimmten Weg festzulegen, ohne an einem Ort länger als nötig zu verweilen. Hier brutzeln Beats, surren die Synthies und schwebt die Stimme Königs mal einfühlsam, dann eigenwillig distanziert über dem Geschehen. Klar ist da die derzeit grassierende Retro-Welle elektronischer Klänge deutlich zu erkennen, allerdings in so überzeugender Umsetzung, dass man sich gerne darin verliert. Entstanden ist die Platte in Zusammenarbeit mit Nikolaus Abit.

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Die drei eigentlich solo aktiven Songwriterinnen Julien Baker, Phoebe Bridgers und Lucy Dacus haben sich zusammengeschlossen und die Band boygenius gegründet. Einander zum Teil schon länger freundschaftlich verbunden, führten auch diverse Konzertengagements das Trio zusammen. In dieser Konstellation ist nun eine selbstbetitelte EP entstanden, die die jeweiligen Stärken kombiniert und mit reich arrangierten Songs punkten kann. Spannend ist auch die Dekonstruktion der Stücke, wurden zu den Aufnahmesessions in den Sound City Studios doch je ein eigener Song sowie eine Skizze mitgenommen, um dann gemeinsam daran zu arbeiten. So ist die Melancholie von Baker deutlich zu spüren, der zupackende Gestus von Dacus oder die behutsame Instrumentierung bei Bridgers.

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Die US-Band Daughters hat eine ziemlich wechselvolle Geschichte hinter sich: In den frühen 2000er-Jahren als waschechte Grindcore-Combo mit entsprechender Wut und Mut zur Kürze gegründet, gab es später vermehrt zugängliche Soundfetzen. Als Schwanengesang erschien schließlich 2010 das selbstbetitelte dritte Album - zu diesem Zeitpunkt gingen die vier Musiker aber bereits getrennte Wege. Verschiedene Projekte und einige Jahre später kam es zur Reunion und nun steht mit „You Won‘t Get What You Want“ die vierte Platte in den Läden, ein mächtiger, fast 50-minütiger Bastard aus Noise, dystopisch-düsteren Texten und Ambientfutter, das jedem Horror-Soundtrack die Schuhe ausziehen würde. Daughters waren schon immer anders und untermauern diesen Status nun erneut. Schöner kann Lärm kaum klingen.

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Als „die Kakophonie des Verstandes in einer schmelzenden Welt“ hat Julia Holter ihr neues Album „Aviary“ bezeichnet. Die US-Musikerin, schon bisher nicht gerade für simple Songs und schnelle Gratifikation bekannt, geht auf ihrer fünften Studioplatte nochmals einen Schritt weiter. Wo sie zuvor atmosphärisch aufgeladenen Artpop fabrizierte, sind diese 15 Stücke in knapp eineinhalb Stunden deutlich ausladender, komplexer, vielschichtiger. Schon der Opener „Turn the Light On“ präsentiert sich als stetig anschwellender Fiebertraum, lässt Holter hier ihre Stimme lustvoll vibrieren, während die Streicher in lichte Höhen abdriften. Ein anspruchsvolles, aber letztlich sehr lohnendes Unterfangen, mit dem Holter ihren Ruf als eine der spannendsten Songwriterinnen ihrer Generation einzementiert.

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Die Smashing Pumpkins sind - beinahe - in alter Form zurück. Immerhin hat Ober-Kürbis Billy Corgan seine alten Mitstreiter Jimmy Chamberlin (Schlagzeug) und James Iha (Gitarre) von einem Studiobesuch überzeugen können. Nur Bassistin D‘arcy Wretzky blieb, eine öffentlich ausgetragene Schlammschlacht inklusive, der Reunion fern. So hat das Herrentrio mit Unterstützung von Jeff Schroeder das Album „Shiny and Oh So Bright, Vol. 1/LP: No Past. No Future. No Sun.“ aufgenommen. Wie meist in den vergangenen Jahren, wenn Corgan seine Fans mit großen Projektankündigungen und kleinen Ergebnissen überrascht hat, sind die acht darauf enthaltenen Songs eine durchwachsene Angelegenheit. Mal unerträglich kitschig und unnötig in die Länge gezogen („Travels“), dann als Ripoff eigener Hits angelegt („Silvery Sometimes (Ghosts)“ klingt wie ein schlechtes „1979“-Cover), um schließlich bei seltenen Glücksgriffen wie „Solara“ oder „Marchin‘ On“ doch an frühere Glanzzeiten zu erinnern. Letztlich sind es samt und sonders alte Tricks, die Corgan und Co hier aufwärmen. Nur leider mit der Erkenntnis, dass auch eine halbe Stunde ziemlich lang werden kann...




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