Letztes Update am Mi, 07.11.2018 09:22

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Großanleger lassen Firmen bei Managergehältern im Dunkeln tappen



Frankfurt (APA/Reuters) - Wichtige Investoren lassen deutsche Großunternehmen über ihre Vorstellungen zur Vorstandsvergütung einer Studie zufolge oft im Unklaren. Vorhandene Leitlinien werden oft so schwammig formuliert, dass sie nicht umsetzbar sind.

Von den 40 größten institutionellen Aktionären - vor allem Fondsgesellschaften - im Leitindex DAX und ihren Stimmrechtsberatern haben zwar nur vier keine öffentlich verfügbaren Richtlinien für die Entlohnung der Top-Manager. Rund 70 Prozent hätten ihre Vorstellungen aber so schwammig formuliert, dass sich die Unternehmen bei der Gestaltung des Vergütungssystems nicht verlässlich danach richten können, heißt es in der am Mittwoch veröffentlichten Studie des Deutschen Investor Relations Verbandes (DIRK), der Universität Göttingen und der Frankfurter Vergütungsberatung hkp.

„Diese Investoren rufen laut nach Transparenz, aber bei ihnen selbst ist es nicht weit damit her“, sagte hkp-Mitgründer Michael Kramarsch der Nachrichtenagentur Reuters. Das böse Erwachen kommt oft auf der Hauptversammlung. Bei drei von acht DAX-Unternehmen, die 2017 turnusmäßig über die Vergütungssysteme abstimmen ließen, fielen die Vorschläge bei einer Mehrheit der Aktionäre durch. In diesem Jahr lag die Zustimmungsquote bei vier von acht Unternehmen unter 80 Prozent. Kramarsch fordert, dass die institutionellen Anleger angesichts ihrer Macht ihren Kunden, aber auch den Unternehmen, in die sie investieren, im Vorhinein offenlegen, wie sie abstimmen wollen.

Die 40 größten Investoren vereinigen der Studie zufolge 60 Prozent aller DAX-Aktien auf sich, der US-Vermögensverwalter Blackrock hält in seinen Fonds und Indexfonds (ETF) rund sieben Prozent am DAX. Angelsächsisch geprägte Fonds versuchten oft weltweit die gleichen Maßstäbe anzulegen. „Die scheren mit dem gleichen Kamm um die ganze Welt“, sagte Kramarsch. Die US-Stimmrechtsberater ISS und Glass Lewis, nach deren Voten sich viele mittlere und kleinere Investoren richten, beeinflussten auf DAX-Hauptversammlungen im Schnitt 30 Prozent der Stimmen, rechnet Kramarsch vor. Wenigstens hätten sie die konkretesten Vergütungs-Richtlinien. Von den Fondsgesellschaften sei der kalifornische Pensionsfonds CalPERS die vorbildlichste, unter den deutschen Investoren hätten die DWS und Allianz Global Investors die klarsten Vorstellungen.




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