Letztes Update am Mi, 07.11.2018 10:02

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Internationale Pressestimmen zu neuen US-Sanktionen gegen den Iran



Washington (APA/AFP/dpa) - Die Zeitungen kommentieren am Mittwoch die neuen US-Sanktionen gegen den Iran:

„Le Monde“ (Paris):

„Washington bleibt entschlossen, ‚maximalen Druck‘ auszuüben. Im Wahlkampf für die Kongresswahl hat Donald Trump allerdings versichert, die Ausgangslage habe sich verändert: Während ‚die iranische Führung zuvor den Nahen Osten beherrschen wollte, versucht sie nun nur noch, ihr Überleben zu sichern‘, sagte der Präsident. Die US-Regierung leugnet, dass sie es auf einen Regimewechsel abgesehen hat. Ihr Vorgehen scheint deshalb aber nicht weniger riskant. Sanktionen führen häufig dazu, die herrschenden Mächte zu stärken.“

„Guardian“ (London):

„Bezeichnenderweise hat die Regierung bei ihrer rhetorischen Rechtfertigung auf eine lange Liste allgemeinerer außenpolitischer Forderungen umgeschaltet, von denen sie weiß, dass Teheran nicht zustimmen wird und kann, so wünschenswert einige dieser Maßnahmen auch sein mögen. Das erklärte Ziel, auf diese Weise einen besseren Vertrag (als das Wiener Atomabkommen von 2015) zu erzielen, kann nicht ernst genommen werden. Lord Norman Lamont, der britische Handelsgesandte für den Iran, sagt unverblümt, dass die Sanktionen auf einen Regimewechsel abzielen. Egal, wie sehr die USA es auch leugnen. Die US-Regierung betrachtet die iranische Bevölkerung dabei als Mittel zum Zweck. Länder wie China, Russland und Indien werden den Iran jedoch mit ‚Geistertransporten‘ und Tauschgeschäften wahrscheinlich am Laufen halten. Die einfachen Iraner aber werden angesichts des Elends lieber aus dem Land fliehen, als sich gegen dieses repressive Regime aufzulehnen.“

„Dennik N“ (Bratislava):

„Das Atomabkommen hat die Gefahr einer iranischen Atomrüstung nicht beseitigt, sie aber zumindest in weitere Ferne gerückt. Trump hofft, dass die Iraner nun unter dem Druck einer sich verschlechternden Wirtschaftslage ihr Regime stürzen. Das haben die Iraner jedoch schon einmal versucht, worauf das Regime die Proteste brutal unterdrückte. Jetzt stehen die Chancen unentschieden, dass Trumps Rechnung aufgeht - oder aber im Gegenteil nur der Weg des Iran zur eigenen Bombe auf eigenen Trägerraketen beschleunigt wird.“




Kommentieren