Letztes Update am Mi, 07.11.2018 10:36

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Internationale Pressestimmen zu den US-Kongresswahlen



Washington (APA/dpa) - Die internationalen Zeitungen schreiben am Mittwoch zum Ausgang der Kongresswahlen in den USA:

„Kommersant“ (Moskau):

„Die Polarisierung der Gesellschaft ist längst herangereift, aber früher war sie eine latente Form einer beginnenden Krankheit. Mit dem Amtsantritt von (US-Präsident Donald) Trump rissen alle Wunden auf. Das Land ist nicht nur in Anhänger und Gegner des Präsidenten gespalten. Gegner erklärten Trump den Krieg. Daran waren nicht nur Politiker, ein Teil der Justiz und der Presse, sondern auch viele zivilgesellschaftliche Organisationen (...) beteiligt.

In einem solchen Umfeld können Wahlergebnisse vieles verändern. (...) Wenn der Senat den Republikanern überlassen wird (...), wird Trump an der Macht bleiben, aber er kann seine Politik kaum umsetzen. Dies bedeutet, dass die Chancen für seine Wiederwahl erheblich geringer werden. Kein Abstimmungsergebnis wird dabei aber das Hauptproblem lösen - die seit der Bürgerrechtsbewegung beispiellose Spaltung der amerikanischen Gesellschaft. Um dies zu überwinden, muss Amerika seine politischen Institutionen ändern.“

„Verdens Gang“ (Oslo):

„Für Trump ist es nicht gut, das ‚Haus‘ (Repräsentantenhaus) zu verlieren. Die Abgeordneten haben das Mandat, alle möglichen Anhörungen und Ermittlungen einzuleiten (...). Sie werden den Präsidentenalltag weitaus unangenehmer machen als bisher. Paradoxerweise hat das Ergebnis jedoch auch Trumps Macht über die Republikanische Partei gestärkt. Viele der Kongressabgeordneten, die als ‚gemäßigte‘ Republikaner galten und es wagten, den Präsidenten zu kritisieren, haben verloren. Und die Übriggebliebenen sind mehr isoliert als zuvor. Und es gibt Grund zu erwarten, dass der Präsident von nun an dem Repräsentantenhaus die Schuld geben wird für alles, was in Zukunft nicht funktioniert.“

„La Repubblica“ (Rom):

„Lange Schlangen vor den Wahllokalen, trotz des Regens an der Ostküste und im Mittleren Westen. Es ist der Trump-Effekt: Die politische Leidenschaft ist wiedererwacht, Wählerinnen und Wähler wurden mobilisiert, wie man es seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt hat. In einem von Wahlabstinenz betroffenen Amerika bedeutet das eine Trendwende (...). Die hohe Wahlbeteiligung wurde durch einen harten Wahlkampf begünstigt, der die Erneuerung des Kongresses (...) in ein Referendum über Trump verwandelt hat.“




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