Letztes Update am Mi, 07.11.2018 11:34

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Verpackungsindustrie befürchtet strukturellen Fachkräftemangel



Wien (APA) - Die Papier und Karton verarbeitende Industrie sorgt sich um den Facharbeiter-Nachwuchs. „Es ist eine Wettbewerbssituation um die besten Köpfe“, sagte Georg Dieter Fischer, Obmann des Fachverbands Propak, im Gespräch mit der APA. Eine in Auftrag gegebene Studie kam zum Ergebnis, dass 71 Prozent der Unternehmen der Branche unbesetzte Stellen haben.

Der Bedarf an Fachkräften dürfte weiter steigen, der nach Hilfsarbeitern hingegen sinken, erwartet der Branchenvertreter. „Wir haben durchaus noch die Chance, weiter zu rationalisieren. Das heißt, wir sind mitten am Weg zur Smart Factory. Wir werden mehr und mehr Robotiksysteme aufstellen können, die Hilfstätigkeiten verrichten. Wir brauchen aber natürlich den Dirigenten an der Maschine.“

Unterm Strich werden in der Fabriken der Zukunft weniger Menschen arbeiten, Fischer sprach konkret von 20 Prozent weniger. Umso wichtiger sei die stetige Qualifizierung: „Derjenige, der stehen bleibt, der aufhört zu lernen, der aufhört, sich weiterzuentwickeln, wird durch einen Roboter ersetzt“, sagte Fischer. Der wichtigste Lösungsansatz sei hier die Lehre - mit oder ohne Matura.

Der Trend ist in der Propak-Studie bereits sichtbar: Bei der Erhebung 2012 waren 30 Prozent des Personals Facharbeiter ohne Lehrabschluss, 2018 waren es nur noch 12 Prozent. Der Personalanteil mit Lehrabschluss stieg hingegen von 55 auf 61 Prozent. Bei den Uniabsolventen hat er sich sogar verdreifacht - auf nunmehr 15 Prozent.

Der Fachkräftemangel sei weniger ein akutes Problem aufgrund der guten Konjunktur, sondern viel mehr eine schleichende strukturelle und demografische Entwicklung. „Wir kommen noch drüber, aber wir sehen schon mit Weitblick, dass uns das Fachpersonal ausgeht“, so Fischer, der sich vor allem um die Qualität des Personals sorgt.

In Österreich seien - anders als in Tschechien oder Polen - noch keine Aufträge wegen Personalengpässen abhandengekommen. Momentan gehe es sich noch aus, das Auftragsplus durch Leiharbeit und Überstunden abzufedern. Diese Flexibilität sei aber wegen der Zuschläge teuer erkauft. Der 12-Stunden-Tag sei da gar nicht so wichtig. „Wir sind nicht diejenigen, die sagen, wir brauchen die zwölf Stunden unbedingt, wir brauchen in Prinzip eine Flexibilität über das ganze Jahr“, so Fischer. „Wir kämpfen schon sehr lange dafür, dass wir die Verteilung der Normalarbeitszeit, seien es acht oder zehn Stunden, übers Jahr ausgleichen können, ohne dass es teurer wird.“

An der Bezahlung liege es jedoch nicht, dass die Unternehmen keine Mitarbeiter finden, betonte Fischer. Der Kollektivvertrag (KV) liege aus Gehaltsperspektive im Mittelfeld der Industrie: „Wir gehören nicht zu den Billigsdorfern, wir überzahlen auch und honorieren Qualifikation und Einsatz.“ Letztendlich müsse die Branche aber auch international wettbewerbsfähig sein. „Gemessen wird am Preis“, sagte Fischer. Für die Attraktivität eines Unternehmens sei die Bezahlung außerdem nicht so im Vordergrund. Wichtiger seien Betriebsklima und Arbeitsumfeld.

Auch das Thema Lebensqualität wird für die Mitarbeiter immer wichtiger. „Wir merken, dass in Bewerbungsgesprächen das Thema Work-Life-Balance sehr früh kommt und auch konkrete Forderungen gestellt werden“, erklärte Fischer. Es gebe hier in der jungen Generation eine Veränderung in der Einstellung zum Job. Er selbst, so Fischer, sei vor einigen Jahren noch überzeugt gewesen, dass es ein Comeback in der Firma nach einer Auszeit nicht geben kann, beginne nun aber auch umzudenken.




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