Letztes Update am Mi, 07.11.2018 14:42

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Dodik lehnte Treffen mit Österreichs Botschafter öffentlich ab



Sarajevo/Banja Luka/Wien (APA) - Der für seine separatistischen Bestrebungen bekannte bisherige Präsident der Republika Srpska, Milorad Dodik, sorgt noch vor Antritt seines neuen Amtes in der Staatsführung Bosniens für einen öffentlichen Disput. Am Mittwoch lehnte er ein vom österreichischen Botschafter in Sarajevo, Martin Prammer, erbetenes Treffen öffentlich ab.

In seiner Antwort an Prammer, welche das Internetportal „Klix.ba“ publik machte, soll Dodik dem österreichischen Diplomaten „voreingenommenes Verhalten“ vorgeworfen haben. Prammer habe sich „mit seiner Wirkung und öffentlichen Auftritten in die inneren Angelegenheiten Bosnien-Herzegowinas eingemischt“, indem er „in der Regel bosniakische Politik offen favorisiert“ habe, so der Politiker. Auch seine „unkritische Unterstützung“ für den internationalen Bosnien-Beauftragten Valentin Inzko kritisierte das künftige Mitglied des Staatspräsidiums.

Botschafter Prammer wünschte in seiner umgehenden Antwort nach Angaben von „Klix.ba“ Dodik zunächst alles Gute im neuen Amt. Er verwies ferner darauf, dass die große Achtung für Österreich, von der Dodik in seinem Schreiben sprach, in dessen Verhalten nicht zum Ausdruck kommen würde. Die Rhetorik Dodiks und seine Infragestellung der Staatseinheit Bosnien-Herzegowinas würden Unsicherheit und Angst, namentlich bei potenziellen österreichischen Investoren auslösen, warnte der Diplomat.

Die Behauptungen Dodiks, die Politik der Bosniaken zu favorisieren, wies er „mit Entschiedenheit“ zurück. Er habe immer die offizielle Position der österreichischen Regierung vertreten, so Prammer, der seit 2013 als Botschafter Wiens in Sarajevo tätig ist. Er widersetze sich entschlossen auch den wiederholten Angriffen Dodiks auf Inzko, der um die „Prosperität und den Fortschritt Bosnien-Herzegowinas“ bemüht sei. Bisherige Angriffe Dodiks auf diplomatische Vertreter anderer Staaten in Bosnien, wie etwa der USA und Frankreichs, haben nach Ansicht von Prammer dem „Ansehen Bosnien-Herzegowinas wie auch der Entität Republika Srpska Schaden zugefügt“.

Dodik war bei den allgemeinen Wahlen im Oktober zum serbischen Mitglied der Staatsführung Bosnien-Herzegowinas gewählt worden. Die Angelobung der drei Mitglieder des Staatspräsidiums ist in Sarajevo für den 20. November geplant. Schon im Wahlkampf ließ der separatistische bosnisch-serbische Politiker wissen, dass er sein Büro eigentlich nicht im Stadtzentrum Sarajevos, sondern in dem von Serben kontrollierten Ost-Sarajevo haben würde. An den Sitzungen des Präsidiums würde er nur via Videotelefonie teilnehmen.




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