Letztes Update am Mi, 07.11.2018 14:55

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Schaffleisch-Übergabe eskalierte: Prozess in Klagenfurt



Klagenfurt (APA) - Wegen schweren Betruges und Körperverletzung hat sich am Mittwoch ein 24-jähriger Syrer vor dem Landesgericht Klagenfurt verantworten müssen. Ihm wird vorgeworfen, im Juni mehrere 100 Kilogramm Schaffleisch, die er bestellte hatte, abtransportiert, aber nicht bezahlt zu haben. Der wiederum belastete den Lieferanten, einen 29-jährigen aus Palästina. Die Verhandlung wurde vertagt.

Ja, heuer am 19. Juni sei Schaffleisch aus Tschechien nach Klagenfurt geliefert worden - das war aber auch schon der einzige gemeinsame Nenner in den Aussagen von Besteller und Lieferant, die sich am Mittwoch am Landesgericht Klagenfurt wiedertrafen. Ansonsten hatten die Erzählungen der beiden aber rein gar nichts miteinander zu tun. Zuerst nahm sich Richterin Michaela Sanin den Angeklagten vor - und seine Version der Geschehnisse klang ebenso abenteuerlich wie der eigentliche Vorwurf.

Er habe bei der Firma, bei dem der 29-Jährige arbeitet, Halal-Fleisch von zehn Schafen bestellt, sagte der Syrer - dafür sei ein Preis von etwa 2.400 Euro telefonisch vereinbart worden. Als der Lieferant, den er zuvor noch nie gesehen habe, in Klagenfurt ankam, habe dieser plötzlich 300 Euro für den Transport haben wollen. „Ich habe ihm gesagt, dass das nicht vereinbart war. Er hat dann Freunde angerufen, die auch gekommen sind. Sie sind zu viert um mich herumgestanden und haben mich eingeengt“, sagte der 24-Jährige. Er habe wirklich Angst gehabt, der Lieferant habe ihm in den Nacken geschlagen und ihn verletzt, außerdem hätten dessen Kumpane versucht, ihm Handy und Brieftasche zu stehlen und ihn bedroht. Schließlich habe er sich nach Leibeskräften gewehrt und sei geflüchtet.

„Dass man versucht hat, Ihnen Brieftasche und Handy zu stehlen - warum haben Sie das nicht damals bei der Polizei ausgesagt?“, wollte Staatsanwältin Karin Schweiger von dem Angeklagten wissen - ebenso, warum er bei der Polizei nichts von seiner Verletzung und von einer Drohung gesagt habe. Der Polizist sei nicht darauf eingegangen, gab der 24-Jährige vor Gericht: „Als ich ihm die Verletzung zeigen wollte, hat er nur gesagt, ich soll ins Krankenhaus gehen.“ „Also beschuldigen Sie den Polizisten des Amtsmissbrauchs?“, hakte Schweiger nach. „Nein, ich will niemanden beschuldigen“, antwortete der Angeklagte.

Turbulent verlief schließlich die Befragung des Lieferanten, der als Zeuge geladen war: „Das ist gelogen, ein Theaterstück“, empörte sich der Angeklagte, der ohne Verteidiger zur Verhandlung gekommen war, immer wieder - schließlich passte das, was der 29-Jährige aussagte, so gar nicht zu seiner Version. Es sei bereits die dritte Lieferung von Schaffleisch an den 24-Jährigen gewesen sagte der Lieferant vor Gericht. Und es sei im Juni auch nicht um das Fleisch von zehn, sondern von 60 Schafen gegangen - in Summe seien es 900 Kilogramm Fleisch um insgesamt 5.940 Euro gewesen: „Für nur zehn Schafe wäre ich nie eine solche Strecke gefahren.“

Schon als er an dem vereinbarten Ort in Klagenfurt ankam, habe er das Gefühl gehabt, dass man ihn reinlegen wollte: „Zwei Männer haben sofort angefangen, das Fleisch in ein Auto umzuladen. Sie sind dann in das Auto gestiegen und weggefahren“, sagte der 29-Jährige. Übrig blieb nur er mit seinem Kunden, der ihm 2.500 Euro in die Hand drücken wollte - den Rest wolle er am nächsten Tag überweisen. „Ich habe dann gesagt, dass das nicht geht und dass ich den gesamten Betrag in bar brauche. Daraufhin wollte ich die Polizei rufen und habe ihn festgehalten, er hat sich aber losgerissen und mir einen Kopfstoß versetzt.“

Die Rechnung des Privatbeteiligtenvertreters: Neben dem noch nicht bezahlten Rechnungsbetrag von 5.940 Euro fordert der 29-Jährige 2.000 Euro Teilschmerzensgeld, was den Angeklagten erboste: „Nicht er, sondern ich müsste eine Entschädigung bekommen!“

Der nächste Verhandlungstag Anfang Dezember wird unter leicht geänderten Vorzeichen stattfinden. Denn Staatsanwältin Schweiger dehnte den Strafantrag auf den Vorwurf der Verleumdung aus, weil der Angeklagte am Mittwoch angegeben hatte, dass ein Polizist bei seiner Einvernahme sich geweigert habe, gewisse Dinge zu protokollieren.




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