Letztes Update am Mi, 07.11.2018 14:55

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ungarn glauben in großer Zahl an Verschwörungstheorien



Budapest (APA/dpa) - Rund 40 bis 50 Prozent der Ungarn glauben an verschiedene, zum Teil antisemitische Verschwörungstheorien. Dies ergab eine Umfrage, deren Ergebnisse das liberale Budapester Analyseinstitut Political Capital am Mittwoch in Budapest vorstellte.

So stimmten 44 Prozent der Befragten der Behauptung zu: „Die Juden wollen die Welt beherrschen.“ Nur 24 Prozent lehnten die Behauptung ab. 22 Prozent wüssten sie nicht zu bewerten, sagte Peter Kreko, der Direktor des Instituts, anlässlich der Präsentation. Der Behauptung, „George Soros möchte Flüchtlinge nach Europa liefern“, stimmte sogar die absolute Mehrheit der Befragten - 51 Prozent - zu.

Gegen Soros, einen liberalen US-Milliardär mit ungarisch-jüdischen Wurzeln, der weltweit linksliberale Initiativen und NGOs unterstützt, laufen Diffamierungskampagnen der rechtsnationalen ungarischen Regierung. Die zentrale Botschaft dieser Kampagnen ist die unbewiesene Behauptung, dass Soros die Flüchtlingswanderungen im Jahr 2015 ausgelöst habe. Dem liberalen „Fädenzieher“ unterstellt die Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban, dass er Europa mit muslimischen Migranten „überschwemmen“ wolle, um die nationale und christliche Identität der europäischen Völker zu zerstören.

Selbst die Anhänger der linken und liberalen Oppositionsparteien glauben zu 39 Prozent, dass Soros hinter der Flüchtlingskrise steckt. 35 Prozent von ihnen lehnten die These ab und 24 Prozent nahmen dazu nicht Stellung. „Wir waren von den Ergebnissen selbst überrascht“, sagte Kreko am Rande der Veranstaltung.

Die Studie stützt sich auf die Befragung eines repräsentativen Querschnitts von 1.200 ungarischen Bürgern. Diese wurde im September vom Meinungsforschungsinstitut Median im Auftrag von Political Capital durchgeführt. Fehlerquote wurde keine angegeben.




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