Letztes Update am Do, 08.11.2018 08:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Staatsballett zeigt Neues ganz klassisch: Legris präsentiert „Sylvia“



Wien (APA) - „Sylvia“ zählt zu den Ikonen der französischen Balletttradition. Louis Merante, Leo Staats, Serge Lifar und andere erschufen die Choreografien zur Musik von Leo Delibes, dessen Melodien, etwa das „Pizzicato“, längst in den Schatz der populären Klassikhits aufgenommen sind. Am Samstag (10.) präsentiert das Wiener Staatsballett eine neue, aber klassische Version des Balletts über die antike Nymphe.

Es wird die zweite abendfüllende Choreografie von Ballettdirektor Manuel Legris. „Ich war von der Musik und der Geschichte dieses Balletts sehr inspiriert“, betont er gegenüber der APA. Es sei eine universale Geschichte über Macht und Liebe, die er in klassischem Gewand zeigen will. „Es gibt nicht mehr viele Choreografen, die das Interesse an der klassischen Schule am Leben erhalten - da fühle ich mich am richtigen Platz“, so Legris, der als Programmchef der Compagnie für eine starke Modernisierung des Repertoires gesorgt hat. „Ich habe immer versucht, die richtige Balance zu finden. Für Tänzer ist es in ihrer kurzen Laufbahn wichtig, klassische und moderne Stücke zu tanzen, beide Richtungen sind gleich wichtig und komplementär.“

Dass sein Augenmerk als Ballettchef immer zunächst den Tänzern gilt, hat sich in der Dekade seiner 2020 zu Ende gehenden Direktion als Erfolgsrezept erwiesen - und prägt auch die Arbeit als Choreograf. „In ‚Sylvia‘ gibt es sehr viele verschiedene Rollen und es war spannend für mich, die Tänzer dafür auszuwählen. Wir haben eine Compagnie mit sehr unterschiedlichen Talenten und Persönlichkeiten. Mit jeder Besetzung ist es ein völlig anderes Stück.“ In jeder Besetzung wird es freilich von der Nymphe Sylvia handeln und dem gewaltsamen Versuch des Orion, ihre Liebe zu gewinnen - die Handlung basiert auf dem Gedicht „Aminta“ von Torquato Tasso. Unter den bekannten Melodien des Stücks ist nicht nur das ikonische „Pizzicato“, sondern etwa auch „Cortege de Bacchus“, das Vorbild für die Intro der Fernsehserie „Knight Rider“ stand.

Für Manuel Legris wird „Sylvia“ nach seiner gefeierten ersten abendfüllenden Arbeit „Le Corsaire“ vermutlich das letzte volle Werk für die Wiener Compagnie sein. „Ich habe beinahe drei Jahre dafür gebracht - also wird sich da bis August 2020 wohl kein weiteres großes Stück ausgehen“, so der Choreograf und Direktor, der 2020 vom Deutschen Martin Schläpfer abgelöst wird. Eine kleinere Arbeit, etwa für einen gemischten Abend oder einen einzelnen Pas de Deux für die Nurejew-Gala könne er sich aber durchaus vorstellen.

(S E R V I C E - „Sylvia“ von Manuel Legris nach Louis Merante u.a., Musik: Leo Delibes. Dirigent: Kevin Rhodes. Mit Nikisha Fogo, Denys Cherevychko, Davide Dato, Mihail Sosnovschi, Ketevan Papava, James Stephens, Dumitru Taran, Natascha Mair, Ioanna Avraam, Alice Firenze. Premiere am 10. November, 19 Uhr. Weitere Termine am 12., 13., 17., 24. und 28. November. www.wiener-staatsoper.at)




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