Letztes Update am Do, 08.11.2018 09:48

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Neue Etappe im deutsch-französischen Weltkriegsgedenken



Paris (APA/AFP) - Im deutsch-französischen Verhältnis gilt der 11. November als schwieriges Datum. Frankreich feiert an diesem Tag den Waffenstillstand im Ersten Weltkrieg 1918, der einer Kapitulation Deutschlands gleichkam.

Zum 100. Jahrestag am Wochenende will Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel eine neue Phase des Gedenkens einläuten und die deutsch-französische Freundschaft feiern.

Der 11. November ist seit 1922 in Frankreich ein gesetzlicher Feiertag. Praktisch jede Gemeinde gedenkt der rund 1,4 Millionen getöteten französischen Soldaten mit Kranzniederlegungen und Ansprachen. In Frankreich gilt der Krieg auch heute noch als „la Grande Guerre“, der große Krieg.

In Deutschland spielt das Gedenken an die 1,9 Millionen getöteten deutschen Soldaten am 11. November kaum eine Rolle. Vielerorts wird der Martinstag begangen, die Karnevalshochburgen starten in die närrische Saison.

In Frankreich verzichtet Präsident Macron diesmal auf die traditionelle Militärparade zum 11. November. Dies wird als Geste an die Deutschen gewertet und an Kanzlerin Merkel. Sie nimmt zum zweiten Mal in ihrer Amtszeit an einer Gedenkzeremonie zum Ersten Weltkrieg in Frankreich teil - 2009 hatte sie der damalige Präsident Nicolas Sarkozy erstmals zu einer 11.-November-Zeremonie am Triumphbogen nach Paris eingeladen.

Vor Merkel reiste kein deutscher Regierungschef jemals zum Gedenken an das Ende des Ersten Weltkriegs nach Frankreich. Der frühere französische Präsident Jacques Chirac hatte 1998 zwar Bundeskanzler Helmut Kohl zu den Weltkriegsgedenkfeiern eingeladen. Kohl wurde nach seiner Zusage aber abgewählt, und sein Nachfolger Gerhard Schröder sagte unter Verweis auf Termingründe ab.

Als Zeichen der deutsch-französischen Freundschaft räumt Macron der Kanzlerin am Wochenende eine ganz besondere Rolle bei den Feierlichkeiten ein: Am Samstag reist er mit ihr nach Compiegne nordöstlich von Paris, wo vor hundert Jahren der Waffenstillstand besiegelt wurde. Dort wollen beide eine gemeinsame Gedenkplakette einweihen.

Merkel und Macron träten damit „in die Fußstapfen von Helmut Kohl und Francois Mitterrand“, heißt es aus dem Elysee-Palast. Der deutsche Kanzler und der französische Präsident hatten sich im September 1984 auf einem Soldatenfriedhof in Verdun die Hände gereicht, die Bilder schrieben Geschichte.

Am Sonntag hält Macron dann zunächst eine Rede am Pariser Triumphbogen, bevor Merkel gemeinsam mit UNO-Generalsekretär Antonio Guterres das sogenannte Friedensforum eröffnet - eine dreitägige Diskussionsveranstaltung zu Themen wie Frieden, Umweltschutz und Entwicklungshilfe.

Zu den Gedenkfeiern in Paris hat Macron mehr als 60 Staats- und Regierungschefs eingeladen, darunter auch US-Präsident Donald Trump und den russischen Staatschef Wladimir Putin.




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