Letztes Update am Do, 08.11.2018 11:15

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Schule ist wichtigster Wissens-Vermittler über NS-Konzentrationslager



Wien (APA) - Die KZ-Gedenkstätte Mauthausen ist nahezu allen Österreichern ein Begriff. Laut einer aktuellen Studie kennen 96 Prozent der Befragten das ehemalige Konzentrationslager, wichtigster Wissens-Vermittler ist die Schule. Bei der Information von Pflichtschülern und Lehrlingen sieht das Mauthausen-Komitee allerdings noch Nachholbedarf. Wenig bekannt sind den Österreichern andere Orte der NS-Verbrechen.

Laut einer in Zusammenarbeit des Mauthausen Komitees Österreich und der KZ-Gedenkstätte Mauthausen durchgeführten Studie des Meinungsforschungsinstituts OGM ist der Großteil der Befragten (74 Prozent) während der schulischen Laufbahn mit dem Thema des KZ Mauthausen in Berührung gekommen. Aber auch aus traditionellen Medien (63 Prozent), über die eigene Familie (45 Prozent) oder über Freunde, Vereine oder Bekannte (20 Prozent) haben die Befragten näheres dazu erfahren, sagte OGM-Geschäftsführer Christoph Haselmayer bei der Präsentation der vom Zukunftsfonds finanzierten Studie in der neuen Wiener Niederlassung der KZ-Gedenkstätte im 4. Wiener Gemeindebezirk.

Die Erhebung (508 Telefon-Interviews) habe gezeigt, dass die Schulen „unser wichtigster Partner sind in der gesamten Erinnerungsarbeit“, betonte die Direktorin der KZ-Gedenkstätte, Barbara Glück. 65 Prozent all jener, die die Gedenkstätte schon einmal besucht haben, taten dies mit der Schule. Bei den Unter-30-Jährigen liegt dieser Wert sogar bei 83 Prozent.

Informations-Mängel offenbart die Erhebung vor allem bei Pflichtschulabsolventen: Nur 59 Prozent der Pflichtschüler haben in der Schule über das KZ Mauthausen erfahren. Bei Berufsschülern und Absolventen mittlerer Lehranstalten lag dieser Prozentsatz hingegen bei 77 Prozent, Maturanten hatten zu 82 Prozent in der Schule näheres zu dem Thema gehört.

Insgesamt gaben 61 Prozent an, Themen wie die Verbrechen des Nationalsozialismus und Konzentrationslager sollten im Geschichtsunterricht „ausführlich“ behandelt werden, 31 Prozent wollen es „etwas“ behandelt sehen. Aber auch das Interesse der Pflichtschüler, sich über das Thema zu informieren, ist laut Studie durchaus hoch, wie Staatssekretärin Karoline Edtstadler (ÖVP) bei der gemeinsamen Präsentation betonte: Von diesen gaben 62 Prozent an, das Thema sollte im Geschichtsunterricht „ausführlich“ besprochen werden.

Die Staatssekretärin trat dafür ein, dass jedem Schüler während seiner schulischen Laufbahn einmal ein Besuch im ehemaligen KZ Mauthausen ermöglicht werden sollte. Derzeit versuche man dies mit verstärkten Informationen an Schulen über die Besuchs-Möglichkeiten zu erreichen. Die Frage, ob der Bund dafür extra Geld in die Hand nehmen sollte, bejahte die Staatssekretärin grundsätzlich, dies brauche aber Vorlaufzeit.

Neben Schülern soll aber auch anderen Gesellschaftsgruppen ein Besuch in Mauthausen ermöglicht werden, betonte der Vorsitzende des Mauthausen-Komitees, Willi Mernyi. Einen Mangel ortete er insbesondere bei Lehrlingen. Hier gelte es auch, die Betriebe zu sensibilisieren, gab er zu verstehen.

Ein Anliegen ist es Mernyi, neben Mauthausen auch über andere Orte der NS-Gräuel in Österreich verstärkt zu informieren. Laut der Studie ist etwa die Bekanntheit der Außenlager des KZ Mauthausen, von denen es mehr als 40 gab, sehr gering. Nur 42 Prozent der Befragten gaben an, andere Orte der NS-Verbrechen zu kennen. Bei Pflichtschülern war dieses Wissen mit 22 Prozent besonders schwach ausgeprägt. „Der Schrecken war nicht in Mauthausen weit weg von uns - der war in Simmering, der war in ganz Österreich, darauf müssen wir hinweisen“, so Mernyi.




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