Letztes Update am Do, 08.11.2018 14:15

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Geschäfte österreichischer Firmen mit den USA brummen



Wien (APA) - Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Österreich und den USA laufen gut. Die Geschäfte heimischer Unternehmen sowie Exporte und Importe brummen. Heuer könnten die österreichischen Warenausfuhren einen Rekord erreichen und die 10-Milliarden-Euro-Marke knacken, erwartet der österreichische Wirtschaftsdelegierte in New York, Michael Friedl.

Die USA sieht er nach den Zwischenwahlen politisch gespalten, nicht aber in der Wirtschaft. Es sei die Frage, was die Demokraten nun machten, blockieren oder versuchen zusammenzuarbeiten. Die Demokraten haben bei den „Midterm-Elections“ die Mehrheit im Repräsentantenhaus - dem Unterhaus des US-Kongresses - zurückgewonnen. Die Republikaner konnten die Mehrheit im Senat behalten.

Eine mögliche Zusammenarbeit mit den Demokraten sieht Friedl etwa im Bereich Steuern, Infrastruktur oder Gesundheit. US-Präsident Donald Trump habe sich seit der Wahl nicht verändert und seine Wahlversprechen aus seiner Sicht gehalten, etwa die Steuerreform, ein neues Handelsabkommen mit Mexiko und Kanada oder die Neubesetzung von Richtern. Es sei davon auszugehen, dass er seine Versprechen weiter wahr machen wird. So werde er wohl weiter versuchen, die Steuern zu senken - eventuell auch in Absprache mit den Demokraten. Dafür könnte es beispielsweise Budget für die Mauer an der Grenze zu Mexiko geben, die weiterhin auf der Agenda Trumps steht.

Fortführen wird Trump nach Ansicht von Friedl auch seine Handelspolitik Es gebe auch bei den Demokraten viele, die mit der Handelspolitik des Präsidenten nicht unglücklich seien. Es sei aber noch offen, womit Trump überraschen könnte. Geben dürfte es vor allem bilaterale Handelsabkommen, möglicherweise auch mit China. Abkommen mit Indien oder Japan seien ebenfalls möglich. Europa stehe handelspolitisch nicht am Hauptradar, sondern Asien. Ein Handelsabkommen mit Europa habe keine hohe Priorität, man lasse sich möglicherweise eine Tür für TTIP offen. Die Geschäfte mit Europa gingen gut, Knackpunkt seien Regulierungen.

Für Österreich sind die USA bei den Exporten der zweitwichtigste Handelspartner. Es gebe auch viele neue österreichische Firmen, die in den USA investieren wollen. So würden Unternehmen andere Unternehmen mitziehen und Firmen folgten auch ihren Kunden etwa aus der deutschen Autoindustrie.

Ein Hotspot für Investitionen österreichischer Unternehmen ist der Südosten der USA - North und South Carolina, Georgia. Die für die Investoren wichtigen Entscheidungen liefen weniger in Washington, sondern vielmehr - zu 85 bis 90 Prozent - auf lokaler Ebene, so Friedl. Es gebe unter anderem Steuervorteile und auch politische Unterstützung für Investoren. Da rufe auch schon mal ein Politiker beispielsweise in Linz an und frage, wie er helfen könne, wobei die Amerikaner generell sehr hilfsbereit seien. Unterstützung auf lokaler Ebene erfolgt vielfach auch bei der Standortsuche. Es wäre auch in Österreich kein Nachteil, wenn man mit US-Unternehmen puncto Unterstützung rede.

Im Südosten der USA würden Investoren aus Österreich auch gut ausgebildete Arbeitskräfte vorfinden, wenngleich eines der größten Probleme ein Fachkräftemangel sei - etwa bei Maschinen- und Werkzeugbauern oder Ingenieuren. Ein Problem für internationale Unternehmen sei auch, dass es schwerer sei, US-Visa für Mitarbeiter aus dem Stammland zu bekommen, wobei sich weniger die Regeln als deren Durchführung geändert hätten. Österreichische Unternehmen bildeten auch Mitarbeiter vor Ort aus.

Aktuell sagten ihm 19 von 20 Unternehmen, „das Geschäft geht super“, so Friedl. 2017 sei eines der besten Jahre bezüglich Aufträgen gewesen. Etwas nervös seien die Unternehmen bezüglich der „erratischen Handelspolitik“. Sie sind aber im innovationsstarken Land langfristig orientiert. Die größte Unsicherheit für die Investoren sieht Friedl, wenn es zu US-Strafzöllen auf Autos und Autozulieferprodukte kommen sollte.

Aktuell gibt es laut Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) rund 700 Niederlassungen österreichische Unternehmen in den USA. Die Direktinvestitionen lagen im Vorjahr bei 9,3 Mrd. Euro.

Im Handel mit den USA weisen die meisten europäischen Länder Zuwächse auf, Österreich allerdings überdurchschnittlich, vor allem auf die Größe des Marktes bezogen. Viele österreichische Produkte würden auch über Deutschland in die USA gehen. 2017 stiegen die österreichischen Warenexporte in die USA um 10,7 Prozent auf 9,7 Mrd. Euro. Im ersten Halbjahr gab es einen weiteren Zuwachs um 5 Prozent. Die 10-Milliarden-Euro-Marke könnte laut Friedl heuer überschritten werden. Die österreichischen Warenimporte aus den USA erhöhten sich im Vorjahr um 16,2 Prozent auf 5,8 Mrd. Euro.

Die US-Wirtschaft sei derzeit in guter Verfassung und befinde sich seit elf Jahren in einer Wachstumsperiode und damit in der längsten ihrer Geschichte, die aber wahrscheinlich einen Dämpfer finden werde, so Friedl am Donnerstag vor Journalisten. Die Arbeitslosenrate sei so niedrig wie seit 50 Jahren nicht mehr. Mit einem Schuldenberg von 20 Billionen Dollar (17,5 Billionen Euro) sei dies aber wohl auch ein bisschen auf Pump finanziert. Ab Ende 2019 könnte möglicherweise eine Rezession kommen. Mögliche Gründe dafür seien unter anderem voraussichtlich verschuldensbedingt rückläufige fiskalische Impulse, die Abkühlung der globalen Wirtschaft und mögliche weitere protektionistische Maßnahmen sowie die Probleme, dass am Arbeitsmarkt zu wenig Leute für Produktivitätssteigerungen zu finden seien. Die US-Notenbank Fed (Federal Reserve) werde wohl noch im Dezember die Zinsen erhöhen, eine weitere Anhebung könnte eventuell im kommenden Jahr folgen. Trump befürchtet eine Abkühlung der Konjunktur durch die Zinserhöhungen der US-Notenbank. Allerdings könnte er dann aber auch einen Abschwung den Fed-Maßnahmen zuschreiben.




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