Letztes Update am Do, 08.11.2018 15:12

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Schweiz - Christen, Juden und Muslime fordern Flüchtlings-Schutz



Bern (APA) - Die obersten Vertreter der Christen, Juden und Muslime in der Schweiz haben in einer gemeinsamen Erklärung ihre Mitglieder aufgefordert, sich stärker für Flüchtlinge zu engagieren, wie Kathpress meldet.

In dem Schreiben appellieren die im Schweizerischen Rat der Religionen vertretenen Religionsgemeinschaften zugleich an Staat und Politik, auf die Bedürfnisse von Flüchtlingen zu reagieren, etwa durch die Einführung durch Resettlement-Programme. Es ist die erste gemeinsame Äußerung der drei Religionen in der Schweiz zu Flüchtlingsfragen.

Unterzeichnet wurde die Erklärung am Mittwoch von Vertretern der Schweizer Bischofskonferenz, des Evangelischen Kirchenbundes, der Christkatholischen Kirche (Altkatholiken), sowie vom Israelitischen Gemeindebund, der Föderation Islamischer Dachorganisationen, der Koordination Islamischer Organisationen Schweiz und dem Schweizerischen Rat der Religionen. Unterstützung erhielt die interreligiöse Erklärung zudem vom Büro des UNO-Flüchtlingshochkommissariats UNHCR, dessen Schweizer Büroleiterin Anja Klug bei der Präsentation von einem „wichtigen Vorzeigeprojekt, das hoffentlich auch in weiteren Ländern Schule macht“ sprach.

Die Religionsgemeinschaften leisten mit ihrer Erklärung einem Aufruf von UN-Generalsekretär Antonio Guterres Folge, der die Glaubensgemeinschaften zum gemeinsamen Eintreten für Flüchtlingsschutz aufgerufen und 2012 den internationalen Dialog „Faith and Protection“ angestoßen hatte. „Für Juden, Christen und Muslime gilt: Jeder Mensch ist Geschöpf Gottes und steht somit unter dessen Schutz. Für uns Gläubige ergibt sich daraus eine besondere Verantwortung gegenüber den Flüchtlingen“, erklärte der altkatholische Bischof Harald Rein, der dem Schweizerischen Rates der Religionen vorsitzt, bei der Präsentation des Dokuments.

Die interreligiöse Erklärung enthält Aufrufe zum „Schutz vor Ort“ als Ziel der Flüchtlings- und Außenpolitik, zur Schaffung legaler Fluchtwege etwa über die bereits in mehreren Ländern bewährten Resettlement-Programme und Vergabe humanitärer Visa, sowie zu „fairen und effektiven Asylverfahren“ gemäß der Genfer Flüchtlingskonvention. Weiter appellieren die Religionsvertreter zur frühzeitigen Integration von Flüchtlingen unter Achtung des Rechtes auf Familienleben und zu einer „Rückkehr in Würde“ für jene Personen, denen kein Schutz gewährt wird, wobei jedoch menschenrechtliche Standards und auch das Kindeswohl beachtet werden müssten.

Die beteiligten Kirchen und Religionsgemeinschaften sagten für die einzelnen Maßnahmen ihre eigene Hilfe und Unterstützung zu sofern möglich, etwa durch Freiwilligenarbeit, Nachbarschaftshilfe und individuelle Initiativen. Man werde sich mit den verantwortlichen Bundesstellen in der Schweiz über die Flüchtlingserklärung austauschen, hieß es.




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