Letztes Update am Fr, 09.11.2018 01:07

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


US-Regierung verklagt UBS wegen Altlasten aus der Finanzkrise



Zürich/Washington (APA/Reuters/sda) - Das US-Justizministerium hat im Streit über Wertpapier-Geschäfte am amerikanischen Immobilienmarkt im Vorfeld der Finanzkrise vor rund zehn Jahren Klage gegen die UBS eingereicht. Die US-Regierung wirft der größten Schweizer Bank Betrug beim Verkauf unsicherer milliardenschwerer Hypothekenverbriefungen vor, wie das Ministerium am Donnerstag mitteilte.

Das Geldhaus habe Investoren in der Frage der Risiken getäuscht. Ein Insider sagte, dass die Regierung Klage eingereicht habe, da die UBS einen Vergleich mit einer Geldstrafe von knapp zwei Milliarden Dollar (1,75 Mrd. Euro) abgelehnt habe. Die Bank wollte sich dazu nicht weiter äußern. Sie hatte die Klage erwartet und bereits angekündigt, sich dagegen zu wehren. Vom US-Justizministerium gab es dazu zunächst keine weitere Stellungnahme.

Hintergrund sind umstrittene Wertpapiergeschäfte - sogenannten Residential Mortgage-Backed Securities (RMBS) - aus den Jahren 2006 und 2007. Zwar hat die UBS selbst keine umfangreicheren Kredite am damals überhitzten US-Immobilienmarkt vergeben. Allerdings hat sie - wie viele andere Banken auch - solche Hypotheken gebündelt und weiterverkauft.

Die US-Behörden sehen es als erwiesen an, dass die Institute mit diesen Verbriefungen maßgeblich zur weltweiten Finanzkrise beitrugen, da viele ausfallgefährdete Kredite darin enthalten waren. Als der Markt 2008 und 2009 abstürzte, wurden die komplexen Wertpapiere auf einen Schlag so gut wie wertlos.

Die Bank wird beschuldigt, Anleger über die Qualität von Subprime- und anderen risikoreichen Hypothekarkrediten im Umfang von mehreren Milliarden Dollar irregeführt zu haben, wie das Justizministerium mitteilte. Betroffen sein sollen 40 Wertpapierangebote.

Mit vielen anderen Banken hat sich das US-Justizministerium bereits auf teils milliardenschwere Vergleichszahlungen verständigt. Dazu zählen etwa die Deutsche Bank, Credit Suisse, die US-Institute Citigroup, JPMorgan, sowie die britischen Geldhäuser Royal Bank of Scotland und HSBC.

Sollte die UBS den Prozess bis zum Ende durchziehen, würde der Sachverhalt erstmals abschließend vor einem Gericht geklärt. Da es sich um eine Zivilklage handelt und nicht um ein Strafverfahren, hätte die Großbank keine Einschränkungen für das Geschäft in den USA zu befürchten.

Erst Ende Oktober betonte Konzernchef Sergio Ermotti mit Blick auf den offenen Rechtsfall, die UBS habe keinen Zeitdruck. Aus Sicht der Bank nicht faire und unangemessene Forderungen werde man nicht akzeptieren. Doch in anderen kleineren Fällen, bei denen es auch um RMBS-Papiere ging, einigte sich die Bank in der Vergangenheit mit Vergleichen.

In ihren Büchern hat die UBS für Rechtsstreitigkeiten immer noch milliardenhohe Rückstellungen. Die Rückstellungen „für Rechtsfälle sowie regulatorische und ähnliche Angelegenheiten“ lagen Ende September bei 2,31 Milliarden. Aber Marktexperten waren der Auffassung, dass die Rückstellungen für den RMBS-Fall zu niedrig seien.

Auch ein weiterer offener Rechtsstreit könnte die Bank teuer zu stehen kommen. In Frankreich steht die UBS derzeit voraussichtlich noch bis zum 15. November vor Gericht, sie muss sich dort gegen Vorwürfe der Geldwäscherei und unerlaubtem Anwerben von Kunden verteidigen. Der französische Staat fordert eine Milliarden-Entschädigung. Im Juli 2014 musste die UBS bereits eine Kaution von 1,1 Milliarden Euro hinterlegen.

Die UBS-Aktie schloss am Donnerstag im europäischen Handel mit einem Plus von 1,3 Prozent.

~ ISIN CH0247704312 WEB http://www.ubs.com ~ APA007 2018-11-09/01:04




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