Letztes Update am Fr, 09.11.2018 08:17

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Vergnüglich: „Acht Frauen“ in den Kammerspielen der Josefstadt



Wien (APA) - Gut, wenn man den Schluss der erfolgreichen Verfilmung von Francois Ozon vergessen hat, denn so bleibt in den Kammerspielen der Josefstadt die Spannung bis zuletzt erhalten, wer von den „Acht Frauen“ denn nun tatsächlich die Mörderin ist. Dass man im Vergleich mit der Starparade des Films nur scheitern konnte, war klar. Die Frage bei der gestrigen Premiere war nur: Scheitern auf welchem Niveau?

Kurz gesagt ist es kein unvergesslicher, aber doch ein durchaus vergnüglicher Abend. Hausherr und Regisseur Herbert Föttinger hat für seine in einem höchst unaufregenden Bühnenbild von Ece Anisoglu umgesetzte Inszenierung der Krimikomödie von Robert Thomas ein Ensemble zusammengestellt, das sich sehen lassen kann und Spaß am Zusammenspiel hat.

Marianne Nentwich in der Danielle-Darrieux-Rolle der Mamy vergisst auf ihren Rollstuhl, sobald es etwas Interessanteres gibt, als den anderen auf die Nerven zu gehen. Susa Meyer als bourgeoise Hausherrin, deren Gatte gerade mit einem Dolch im Rücken aufgefunden wurde, weiß rasch von vornehm auf bissig umzuschalten. Swintha Gersthofer und Anna Laimanee sind ihre lebenslustigen und aufsässigen Töchter, Sandra Cervik gibt mit besonderer Hingabe ihre vertrocknete und verbiesterte Schwester, Pauline Knof ihre mondäne und selbstsichere Schwägerin. Silvia Meisterle und Isabella Gregor spielen das junge und das alte Dienstmädchen, sexy und latent widerborstig die eine, resigniert und vorwurfsvoll die andere. Dass ihre Rollen in Ozons 2002 herausgekommenen Film von Kalibern wie Catherine Deneuve, Isabelle Huppert oder Fanny Ardant gespielt wurden, dafür kann keine etwas.

Föttinger versäumt die Chance, zunächst eine scheinbare Familienidylle zu etablieren, die ihre Brüchigkeit und Verlogenheit erst offenbart, als der Mord die mannigfaltigen Motive und Lügengebäude nahezu jeder der acht Frauen zum Vorschein bringt. Vom ersten Moment an ist der Umgangston zwischen den Frauen rau und gereizt. Die Fallhöhe zu den gegenseitigen Verdächtigungen und genüsslich vorgebrachten Gemeinheiten bei der Täter(innen)suche ist da nicht mehr allzu groß.

Doch je mehr nach Manier von Agatha Christie Zug um Zug jede für den Mord infrage kommt, desto mehr kommt auch die zweieinhalbstündige Inszenierung in Fahrt. Jede der acht Frauen bekommt ihre Musikeinlage (die Bühnenmusik stammt von Franz Wittenbrink und kommt vom Band), Silvia Meisterle und Pauline Knof lassen dabei echtes Showtalent aufblitzen. Am Ende gab es herzlichen Applaus. Und die Erkenntnis: Der Mörder ist doch nicht immer der Gärtner.

(S E R V I C E - „Acht Frauen“, Kriminalkomödie von Robert Thomas mit Bühnenmusik von Franz Wittenbrink, Deutsch von Franz Martin, Regie: Herbert Föttinger, Bühnenbild: Ece Anisoglu, Kostüme: Birgit Hutter, Musikalische Leitung: Christian Frank, Choreografie: Simon Eichenberger. Mit Susa Meyer, Swintha Gersthofer, Anna Laimanee, Marianne Nentwich, Sandra Cervik, Silvia Meisterle, Isabella Gregor und Pauline Knof. Kammerspiele des Theaters in der Josefstadt, Nächste Vorstellungen: 9., 14., 15., 23., 27., 28.11., Karten: 01/42700-300, www.josefstadt.org)

(B I L D A V I S O – Pressebilder stehen im Pressebereich von www.josefstadt.org zum Download bereit.)




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